Berlin, Teil 2: Tag 5 bis 9
Der Geschichte zweiter Teil.
Neun Tage sind verdammt lang, vor allem für meinen Kopf, deshalb hab ich mir in weiser Voraussicht jeden Abend Notizen gemacht. Mal sehen, was sich daraus rekonstruieren lässt. Der erste Teil behandelt die ersten vier Tage, damit die Kommentare übersichtlich bleiben. Weiter geht’s im Innenteil …
…es rappelt in der Kiste. Ich glaub ich schreib mal nen Headline Generator für kackreiz. Für heute fällt mir nämlich wieder nix ein. Zu berichten gibts nur ne Menge thematisch zusammenhanglosen Schrott. Fangen wir an mit der cineastischen Woche. Ich war letze Woche nicht nur ein-, nein gleich ZWEImal im Filmforum. Der erste Film war die Geschichte vom weinenden Kamel. Ein wunderschöner Film, den ich jedem nur nahelegen kann. Sehr ruhig, mit klaren Bildern, kaum Ton ausser dem Tosen des Wüstenwindes und dem Blöken der Kamele, kaum Sprache, und wenn dann in mongolesisch (was immer die da sprechen). Der zweite Film war L’Auberge espagnole, den ich trotz, oder gerade aufgrund Empfehlungen von verschiedenen Seiten nicht so toll fand. Inzwischen weiss ich auch warum: die Story. Ein junger Mann geht für ein Jahr weg von Zuhause und kommt danach wieder. Beide male Tränen in den Augen ob der Trennung von Freundin auf dem Weg HIN bzw. den WG-Freunden auf dem Weg ZURüCK. Ich mein, dass kennt doch jeder, oder? Ich weiss nicht ob man über sowas nen Film drehen muss. Die letzte Szene in der Xavier “endlich” seinen Job hat, dann beim betreten der spießigen Bürowelt durchdreht und flüchtet, Klischee, ick hör dir trapsen… Im großen und ganzen kein schlechter Film und seine 4Eur durchaus wert, aber nicht gerade überdurchschnittlich.
Dann die Videospielwoche. Crystal Chronicles ist da und irgendwie enttäuschend. Ich war ja auf einiges vorbereitet und habe KEIN Final Fantasy erwartet, aber das Crystal Chronicles auch noch eine mÄßige Steuerung, langweilige (wenn auch atemberaubend schöne) Dungeons und ein extrem zähes Feeling hat war dann erstmal ein Schock. Inzwischen hab ich dem Spiel eine Chance gegeben und diese Mängel erwiesen sich dann doch als nicht so gravierend. Bleibt allerdings immernoch die Tatsache das man das Spiel nur vernünftig spielen kann wenn man 3 Leute zur gleichen Zeit mit 3 GBAs in einen Raum koordiniert kriegt. Freitag is schonmal gescheitert, hoffentlich klappt’s am Montag. Die GBAs wären nicht wirklich nötig gewesen, die Funktion die sie erfüllen, nämlich dem Einzelnen ein MenÜ zu präsentieren, während die Gruppe ungestört weiterspielt, wäre mit gutem willen realisierbar gewesen ohne die Spieler zum Kauf von 130Eur Controllern zu zwingen. Davon ganz abgesehen, gibt es aufgrund des simplen Spielprinzips nicht gerade viel zu tun in den Menüs…
Damit sich der Gameboy dennoch bezahlt macht, habe ich mir Final Fantasy Tactics Advance bei ebay geordert (für 24,50 statt 35Eur). Das Spiel ist quasi der krasse Gegensatz zu CC. Interessante Story, gute Steuerung und ein unglaublich flottes Gameplay. Kein scrollender Text mehr, wenn einen die Handlung nicht interessiert, kann man problemlos alles wegdrücken (Props to Paper Mario!). Hoffentlich hab ich noch Gelegenheit das alles zu ergründen. Im Moment les’ ich eigentlich lieber (aktuell Anthony Bourdain - Geständnisse eines Küchenchefs) und hör Musik (aktuell Alice in Chains, Trail Of Dead, Melissa auf der Maur, Godspeed You Black Emperor!). Bei Bourdain musste ich übrigens feststellen, dass meine Mutter das auch hat, natürlich NACHDEM ich es gekauft hab’. Ach ja, der Titel und die Rezension hören sich vielleicht langweilig an aber es geht in dem (wirklich interessanten) Buch auch um Sex(!) und Drogen(!!). Quo vadis, Popliteratur?
Mittwoch hab ich mich von Timo und Gesa zu einer Sneak-Preview im UCI überreden lassen. Als die Reue kam waren die Karten schon bestellt, ausserdem hab ich mir vorgenommen, mich mehr auf Dinge einzulassen. Sind wir da also hingefahren. Zuerst zu Burger King. Ich -obwohl satt- habe mir nichts weiter als ne kleine Pommes und Chicken Filets bestellt. Fataler Fehler. Die Pommes-Bitch war nämlich ausserstande mir die Chickenteile zu servieren. Fiel ihr aber erst ein, nachdem ich 2 Minuten neben der Kasse gestanden und gewartet hab’. “Sie können sich schonmal setzen, das dauert noch” “Sie können mich mal am Arsch lecken”. Hab ich mir gedacht und mich gesetzt. Als ich meine Pommes aufhatte waren meine Filets immer noch nicht in Sicht. Böse Blicke haben die Tante auch nicht davon abgehalten, sich satt um die Gäste lieber um die Strohhalme und Servietten zu kümmern. Nachdem eine ganze Horde Leute von ausserhalb, wohl auch auf dem weg zum Kino, verpflegt waren bin ich aufgestanden und nach vorne marschiert, lautstark nach Chicken Filets verlangend. Was macht die Frau? Dreht sich um und geht weg. Kommt nach ner Minute zurück und drückt mir, ohne ein Wort, ohne mich anzugucken, die Tasche mit den Chicken Filets in die Hand. Zu allem Überfluss haben die auch noch scheisse geschmeckt.
Derartig gestärkt und hochmotiviert gings dann in Saal sieben vom UCI. Die Sneak Leute sind eine eingeschworene Gemeinde. Jeder kennt jeden, alle sind besoffen und benehmen sich als gehöre der Saal Ihnen. Vor der Sneak gibts immer ne Stunde “Moderation” während der zwei beschissene UCI-Azubis die Leute fertigmachen, die zum ersten Mal dabei sind. Pech für die wenn sie weiblich, nicht gerade hübsch und auch noch eher dick sind. “Was sind das denn für Grazien?” “Ja, ich hab heute wieder die Pflegefälle” Publikum: “Ausziehen” Moderatoren: “Nee, lieber nich”. Auf dem Niveau gings dann weiter mit nem lieblosen Gewinnspiel. Der bescheidene Film wurde uns dann noch endgültig von “Walter” verdorben. Walter ist um die 40, saß hinter uns und konnte seine verdammte Scheissfresse nicht halten. Ich war kurz davor ihn umzubringen. Jede Szene musste er lautstark kommentieren. Der Film war eh nicht besonders (”Out of time”), deswegen wärs eigentlich vielleicht sogar unterhaltsam geworden, allerdings waren Walters Kommentare weder witzig noch geistreich, sondern einfach nur platt, ca. 10 Meilen unter dem gängigen Ballermann-Humor.
Wie Pöbel mit Pöbel verfährt war also ganz interessant, unterm Strich hätte ich mir die Aktion aber besser sparen können (4 Eur). Seid gewarnt.
Ich finde es gibt wenig schöneres, als nach einem tollen Film ganz alleine in seinem Zimmer zu sitzen, nachts um halb 1, nach einer Flasche Bier, mit guter Musik die leise im Hintergrund spielt. Nur wenn man mit dieser Mischung aus ein wenig Alkohol, ein wenig Müdigkeit und tränenden Augen mit sich und der Welt alleine ist, kann man einen Film richtig wirkeln lassen. Natürlich ist es manchmal schön sich zusammen Filme anzusehen, aber das sind oft auch nicht die über die man hinterher nachdenken kann oder will. Wenn doch, tut man das einen Tag später, wieder allein. Aber dann haben sich die Realität, rationales Denken oder ganz andere Eindrücke wieder im Kopf breitgemacht, das Gefühl ist nicht das gleiche, man nimmt den Film im Rückblick immer anders wahr. Die Eindrücke die man hat wenn der Fernseher wieder aus ist sind machtvoll aber oft zu filigran um dem Alltag zu widerstehen. Wenn man sie sich in Ruhe entwickeln lässt gehen sie nicht verloren.
Alkohol und Müdigkeit helfen, schon während des Films vollkommen zu versinken in der Welt hinter der Mattscheibe. Eigentlich sollte man Filme überhaupt nur noch nach 22 Uhr und >1 Bier ansehen. Gerade hab’ ich mir mit Timo Lost in Translation angeguckt und den Film sofort in meine Top-10 aufgenommen, direkt zwischen Apocalypse Now, Tomas Katz, 2001 Mulholland Drive, Chihiros Reise ins Zauberland, True Romance und Lost Highway. Alles Filme die einen auch nach dem Abspann in Ihren Bann reissen, im Kopf immer wieder ablaufen. Leibhaftig macht er das Gefühl von Verlorenheit und Suche, Erlösung und Hoffnung erfahrbar und kombiniert eine schöne Liebesgeschichte mit der unglaublichen Atmosphäre Tokyos. Über Details zu reden, würde den Eindruck zerstören, deswegen lasse ich es hierbei bewenden und spreche nur eine wärmste Empfehlung an alle aus, die Lost in Translation noch nicht gesehen haben.