Archiv für March 2004

Besinnungsaufsatz

Im Ganzen halte ich mich für einen positiven Menschen, der Sinn des Lebens besteht darin, durch ein gegenseitiges Geben und Nehmen in Harmonie und Einklang mit meiner Umwelt zu leben. Der einzige Sinn im Leben eines Menschen kann in meinen Augen nur darin bestehen, durch das Miteinander Glück zu erlangen, alle anderen Güter können diesen Zustand nicht ersetzen und dem Grossteil der Menschen, zu dem ich mich nicht zähle und der täglich mit Not, Leid, Hunger, Gewalt, Krieg und Unterdrückung zu kämpfen hat, kann eigentlich nur dieses Streben Energie zum Leben geben. Das mag reichlich naiv klingen, ist aber meine Art, mit meinem Leben zurande zu kommen und mir selbst ein Ziel zu setzen. Gleichzeitig habe ich aber auch ein sehr schlechtes Menschenbild. Auch wenn mir meine Theorien nur im kleinen Ausmaße begegnen, bin ich der Meinung, dass der Mensch immer auf sich alleine gestellt bleiben wird und im tiefen Inneren einsam bleiben wird, da trotzdem seelischer Verbundenheit, die es für mich ganz sicher gibt, keiner am Innersten des Anderen teilnehmen kann. Wenn ich unsere Gesellschaft und meine Generation im Speziellen betrachte, fallen mir vor allem mangelnde Extreme wie Todesfurcht, grundsätzliche (!!) Existenzangst und Leidenschaft für große Ideale auf. Dies zieht eine relative Gleichgültigkeit nach sich. Ich bin der Ansicht, dass der Mensch aufgrund der oben genannten Einsamkeit in Grenzsituationen von Grund auf unsozial und schlecht ist oder seine Strukturen zumindest so angelegt sind, dass er sich selbst der Nächste sein wird. Jede Handlung, die man vollzieht geschieht aus dem alleinigen Grunde, für sich selbst einen Nutzen bzw. eine positive Konsequenz daraus zu ziehen - und sei es nur das positive Gefühl, jemandem etwas Gutes getan zu haben. Mein eigenes Menschenbild schockiert mich eigentlich anhand der Tatsche, dass mir zwar schon sehr traurige Sachen passiert sind, aber es mir nie wirklich schlecht ging und ich nie unter anderen Menschen großartig zu leiden hatte. Meine Konsequenz ist eigentlich, dagegen anzuarbeiten und mir selbst das Gegenteil zu beweisen. Ich habe gerade den Film „Meschugge“ gesehen, der mich neben „Das Experiment“ ziemlich berührt hat. Beide Filme beruhen auf wahren Begebenheiten und zeigen menschliche Abgründe, deren Kaltschnäuzigkeit und Habgier mich zutiefst schockieren und traurig machen aber gleichzeitig nicht wirklich erstaunen. Ich weiß, dass dramatisch aufbereitete Einzelschicksale immer mehr ziehen als das tägliche Geschehen um einen herum und ich bin mir bewusst, dass ich anfällig für diese Art von Medium bin. Aber mich kann deprimierender Weise ein Spielfilm, über den ich mir nachher Gedanken mache, mehr berühren als die Tagesschau oder -zeitung, die mich persönlich überflutet und überrollt. Eigentlich sollte man sich dafür schämen, aber ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. Ich weiß nicht, wieso, aber ich habe Anfang der Woche wieder meinen SoWi - Ordner aus der Stufe 11 hervorgekramt und das kleine Etwas über die Hobbes und Locke, das darin steht, noch einmal durchgelesen. Beide haben sehr absolute und extreme Menschenbilder, die ich damals brav gelernt habe und über die ich auch nachgedacht habe. Allerdings kann ich erst jetzt #erahnen#, welchen Weitgang diese Theorien haben. Ich würde gerne an die Locke’sche Theorie glauben, dass alle Menscheln grundsätzlich Versprechen einhalten, ein Gespür für Moral haben, also friedlich und zufrieden miteinander leben könnten, dass sie nur über die Meinungsverschiedenheiten, was Gut und Böse ist, aneinander geraten. Allerdings glaube ich eher wie Hobbes, dass der Mensch in erster Linie von Egoismus, Habgier und Geltungsbedüfnis geleitet wird und es sein einziges Ziel ist, bei dem Streben nach seinen Zielen den anderen zuvorzukommen. Ich habe nur gefährliches Halbwissen und möchte hier keine Grundsatzdiskussionen lostreten, für die ich eh nicht genug Wissen hätte. Aber das ist die Erkenntnis, die ich aus den letzten 21 Jahren gezogen habe. Manchmal machen sie einem das Leben leichter, da man sich über positive Dinge mehr freut und Enttäuschungen vorbeugt, manchmal scheinen sie einen aber auch zu erdrücken. Aber vielleicht denkt ja der eine oder andere darüber nach, lernt aus den Fehlern anderer Menschen und leistet seinen Teil gegen die Gleichgültigkeit und Resignation. Im übrigen muss ich bei dieser ganzen Reden-Schwingerei darüber Schmunzeln, dass ich eine bunte Mischung der Theoretiker, die mir während der Schulzeit über den Weg gelaufen sind, nachplappere. Und ich gleichzeitig gelernt habe, dass ich damit genau dem geläufigen Schema der Moralentwicklung folge und erst in 10-20 Jahren ein halbwegs autonomes Denken haben werde. Irgendwie skurril. Gute Nacht und…. Nehmt mich nicht zu ernst ;) Vielleicht sollte ich einfach nicht so viel Fernsehen und mal ins Bett gehen.