Berlin, Teil 1: Tag 1 bis 4
Neun Tage sind verdammt lang, vor allem für meinen Kopf, deshalb hab ich mir in weiser Voraussicht jeden Abend Notizen gemacht. Mal sehen, was sich daraus rekonstruieren lässt. Der erste Teil behandelt die ersten vier Tage, damit die Kommentare übersichtlich bleiben. Weiter geht’s im Innenteil …
Nachtrag hierzu: Flow, das Prinzip des “Excerpt”-Formulars ist es, nur den ersten Absatz eines irre langen Textes auf die Frontpage zu stellen, damit man nicht mit dem ganzen Schrott konfrontiert wird, den man vielleicht gar nicht lesen möchte. Irgendwie wird das aber von b2 gerade vollkommen ignoriert. Computer sind so ungefähr die einzigen Instanzen, denen ich Ignoranz nicht als positive Charaktereigenschaft zuschreibe …
Nachtrag zum Nachtrag: offenbar Bullshit.
Samstag, 06.03.04 Von Duisburg bis zum FH Niederrhein ist eine ziemliche Strecke, von Niederrhein nach Schoenefeld auch, und von Schoenefeld nach Moabit ebenfalls. Vier Stunden bis Berlin, das schafft die Bahn eine Stunde schneller, aber nicht zu dem Preis. Der Tag war also eigentlich schon gelaufen. Abends ging es ins Caf矍oskau / WMF, wo angeblich Leute von Shitkatapult und Bpitch Control auflegen sollten. Shitkatapult kannte ich noch nicht, Bpitch verbinde ich mit Hanin Elias und Mode Selector. Wir waren viel zu früh dran, was aber nicht weiter störte. das WMF war im Erdgeschoss ein kleinerer Raum mit Dj-Set und angeschlossener (Caf竩Bar, im Keller ein grösserer Raum mit Tanzfläche und einem weiteren Dj-Set. Alles sehr gemütlich mit vielen dick gepolsterten Sofas ausgestattet und gezielt angenehmer Lichtinstallation (der erste Eindruck war der einer gehobenen Kifferbude). Musik war wie folgt: Oben Hip-Hop, erst aufgelegt, danach Live; Obwohl ich Hip-Hop eigentlich nicht mag, muss ich sagen, dass mir der Live-Act sehr gut gefallen hat. Ich war zu dem Zeitpunkt auch noch ziemlich nüchtern, das ist vielleicht erwähnenstwert. Unten Bpitch mit tanzbarem Techno von der angenehmen elektronischen Sorte. Das Publikum war für so einen Abend ausgesprochen cool, keinerlei Techno-Proletariat oder Hip-Hop-Kinder, der Altersdurchschnitt lag vielleicht bei 23.
Sonntag, 07.03.04 Eigentlich wollte ich in die Neue Nationalgalerie, wo gerade das MoMA Station macht, aber die Schlange davor war episch. 500 Meter vor dem Kassenhäusschen, und noch einmal halb um die Galerie herum für den Einlass. Ich mach mich doch nicht zum Affen. Also hingesetzt, Leute gezeichnet; rüberkommen und moppern können die ja nicht, schließlich stehen sie in der längsten Schlange der Welt an. Irgendwann ist mir dann der Hintern eingefroren, also zurück zur Wohnung, aufwärmen und für Montag Abend Pläne schmieden.
Montag, 08.03.04 Morgens Fotos am Potsdamer Platz geschossen, beide Hände abgefroren und Info-Broschüren für den Hirnquark der Blue Man Group abgestaubt, weil irgendjemand namens Jan da unbedingt hin will. Danach ab zu Conrad, um die nötige Elektronik für die musikalische Kollaboration Diki-Fragdieb zu organisieren, der erstgenannte am patternfreien Synthesizer, letzterer am Rhodes Stage Piano. Abends dann ab zu Dani Siciliano im Maria – und das ist ne längere Geschichte. Das Maria ist, von aussen besehen, irgendeine heruntergekommene winzige Fabrikhalle mit einer einzigen Stahltür, die äusserst abgelegen irgendwo am Ufer der Spree steht. Wenn man die Stahltür nicht sofort erkennt (und das tut man nicht), latscht man solange um den Kasten herum, bis einem die außergewöhnlich hohe Dichte von Stacheldraht und Schwerindustrieabfall zu denken gibt. Man fragt dann den nächstbesten Berliner, der an einem Geländer am Ufer lehnt, wo denn der Eingang ist, findet raus, dass der Einlass um ne Stunde nach hinten geschoben wurde, und raucht sich erstmal gemeinsam einen. Von innen ist das Maria eine superlativ geil eingerichtete unverputzte Betonhalle; an den Wänden hängen Leinwände, auf die per Projektor trendige Formen projeziert werden, sowie Fernseher, auf denen diverse Visualisations laufen. Die Sitzgelegenheiten bestehen aus minimalistisch designten, tiefliegenden schwarzen Couchen und großzügigen quadratischen Sitztischen mit maximalistisch designten Polstern. Das Publikum besteht demenstprechend (und wegen dem bitteren Eintrittspreis von 17 Euro) aus Yuppies und Trendhuren. Die Musik von Dj Phon.o, der an dem Abend aufgelegt hat, war dafür aber äussert zufriedenstellend. Ganz extrem sogar. Als musikalisch grob unterernährter Duisburger verfällt man ob der Qualität der berliner Elektronik leicht ins Sprachkoma und brabbelt nur noch Adjektive, so gut war das ganze. Dani Siciliano war dann ein bisschen enttäuschend, weil zum einen das Mikro der Hauptakteurin etwas leise war und der Act zum anderen trotz Zugabe arg kurz ausfiel. Außerdem kann man mit so einem Sampler, den sich Dani da als Instrument ausgesucht hat, doch noch viel mehr machen als bloss Reverb und Delay, aber das sollte ich wohl selbst erst einmal besser machen. Ansonsten ganz nett, aber definitiv keine Rechtfertigung für den Eintritt. Die schwarzen Sofas und Dj Phon.o wären allerdings etwas, für das ich mir den sonst üblichen Wochenendeintritt von 10 Euro gerne abknöpfen liesse.
Dienstag, 09.03.04 Nachdem wir festgestellt hatten, dass die Schlange vor dem MoMA auch Wochentags um 10:00 Uhr morgens bei der öffnung genau so lang ist wie um 18:00 Uhr abends bei der Schließung, hab ich mich spontan dafür entschlossen, die Neue Nationalgalerie von meiner Museumsliste zu streichen und bin mit dem Fragdieb in den Hamburger Bahnhof getingelt. Viel Schrott, wenig gutes, und das erschreckenderweise auch noch von jungen Künstlern aus den nordischen Ländern in der aktuellen Austellung “Berlin North”. Ach ja, Beuys war auch ausgestellt, aber darüber unterhalte ich mich definitiv nicht auf Kackreiz – bei Diskussionen über Kunst sollte man grundsätzlich darauf bedacht sein, seinem Gesprächspartner jederzeit feste ins Gesicht schlagen zu können ;)


12 Kommentare zu 'Berlin, Teil 1: Tag 1 bis 4'
Was Excerpt ist und was der diki wollte
gut, dass hier leute hinter den hebeln sitzen, die mehr ahnung haben als ich :)
:)
aber schÖÖÖne eintrÄge!
ich spare mir mal unqualifizierte kommentare zum inhalt ;)
der jan koennte ma updaten, die neuen wordpress versionen sind sexy
was ihr jungs so alles sexy findet ;)
ich find sowas sexy
if(lalaaaa)
trace(“mach isch ohne klammern”);
bin somit wesentlich leichter zufriedenzustellen ;)
wie…keine unqualifizierten Kommentare zum Inhalt…wie langweilig!
ich dachte, sowas erwartet man heutzutage von frauen. schnauze halten und arbeiten und so.
nee…man erwartet heutzutage von Frauen, dass sie wissen, wann ihre Kommentare erwÜnscht sind und wann nicht.
das Überfordert mich jetzt irgendwie.
die tatsache, dass man kommentare abgeben kann, weisst ja wohl ziemlich explizit darauf hin, dass sie auch erwÜnscht sind. also immer her damit :).
außerdem kÖnnen sich frauen im zuge des allgemeinen gender mainstreamings ja auch mal den mÄnnern anpassen und mehr mist labern ;).
Andersrum kÖnnten die MÄnner auch einfach mal weniger Mist labern.
Scheint mir langfristig sinnvoller.
ach jan. ich bin gerÜhrt.