Berlin, Teil 2: Tag 5 bis 9

Der Geschichte zweiter Teil.

Mittwoch, 10.03.04 Museum des Tages war die Sammlung Berggruen mit Picasso, Matisse und Klee. Picasso ist als Zeichner genial, als Maler geschickt, aber mir ab einem bestimmten Zeitpunkt um ‘36 herum relativ unverständlich geworden. Nach einem Haufen technischer Hürden hat das Team Diki-Fragdieb an dem Tag auch mal eine Aufnahme zustandegebracht. Das ganze wird demnächst veröffentlicht, wenn ich sichergestellt habe, dass es keine bleibenden Schäden an Audiosystemen hinterlässt.

Donnerstag, 11.03.04 Das war der Tag, an dem die Gemäldegallerie mir 2 Stunden meines Lebens gestohlen hat, und zwar mit nichts geringerem als 800 Jahren Passionsmalerei. 46 Ausstellungsräume. Alle voll mir Jesus. In der Masse verliert das Meisterwerk seine Anziehungskraft, so dass ich gegen Ende einfach nur die Räume abgelaufen bin, um zu sehen, ob sich da noch was tut, was aber nicht der Fall war. Also mit Kopfschmerzen raus und festgestellt, dass meine Eintrittskarte auch für die Kupferstichgallerie und die Sammlung der Skizzen und Zeichnungen Gültigkeit hat, also genau das, was mir gerade fehlte. Die Ausstellung des Moskauer Konzeptualismus, in einem einzigen Raum, hat mir dann in einer Stunde mehr gebracht als die komplette Gemäldegallerie vorher. Abends waren wir dann im Magnet Club, praktisch eine Rock/Metal-Kneipe mit separatem Tanzraum, um Mono zu hören. Mono kommen aus Japan, was mir eigentlich schon reicht, haben aber dazu noch ziemlich gute, wenn auch unglaublich lineare Musik ohne Gesang rübergebracht. Der Drummer konnte wirklich beeindruckend differenziert spielen, sowas habe ich noch nicht wahrgenommen. Den relativ kurzen Auftritt haben Mono dann in einer sehr freien und sehr lauten Improvisation enden lassen. Ob die Vorband The Ocean, die mit 3 Sängern langsamen Hardcore versucht haben und dazu auf ner Stahltonne rumgeflext haben und Videos über nen Beamer liefen liessen, oder Mono für den krassen Tinitus im Anschluss verantwortlich sind, kann ich in nachhinein nicht mehr sagen. Sicher ist, dass die Bassistin von Mono gegen Ende viel zu nah an ihrem Verstärker stand, aber das war wohl Absicht, sonst hätte der Gitarrist seine Gitarre wohl nicht so böse behandelt.

Freitag, 12.03.04 Die Alte Nationalgalerie hat dann am Freitag bewiesen, dass europäische und deutsche Kunst so etwa gegen 1900 auch noch erträglich wird, ich glaube, Impressionismus ist das Zauberwort, Monet und Manet sind die Namen, die mir so gerade eben noch in Erinnerung geblieben sind. Abends hat die Diki-Fragdieb-Combo dann noch eine Aufnahme mit Verzerrer eingeschoben, trotz anhaltendem Tinitus.

Samstag, 13.03.04 Museumskomplex Dahlem, chinesische Kultur. Dank der verwinkelten Architektur hab ich auch noch afrikanische und mexikanische Urkultur eingeschoben bekommen, ziemlich beunruhigende Sachen. Chinesische Malerei und vor allem japanische Grafik erwecken den Eindruck, schon vor zwei Jahrhunderten den europäischen Standard von heute gesetzt zu haben, da waren einige sehr geniale Sachen bei. Trotzdem bin ich da mit Tinitus und Kopfweh herausgegangen, unter anderem, weil man es in Berlin für nötig hält, Kunstwerke vor jeglicher Art von Strahlung zu bewahren, Licht inklusive. In dementsprechend düsterem Ambiente darf man dann versuchen, was auf den Lappen zu erkennen, die einem das mit ihrem Alter auch nicht leichter machen. Ich habe den Eindruck, die Museum sind ungefähr so scharf auf Besucher wie die Unis auf Studenten. Nach einem kurzen unfreiwilligen Abstecher in die Abteilungen “Koreanische Keramik” und “Musikethnologie” hab ich den Rest des Museums dann als Schrott abgeurteilt und mich bei der Suche nach dem Ausgang verlaufen.

Sonntag, 14.03.04 Kommunale Gallerie, Eintritt frei. Auf dem Weg durch die Ausstellungsräume die Künstler getroffen, aber nicht angesprochen. Unter anderem, weil die nur Schrott gemalt haben und alt waren. Bis auf Stefan Hoenerloh, der natürlich nicht anwesend war, dafür aber beeindruckend hyperrealistische Bilder von heruntergekommenen, toten Hausfassaden gemalt hat. Wirklich sehr gut, die Bildwirkung ist unglaublich.

Montag, 15.03.04 Das war gestern. Rückflug also. Nichts außergewöhnliches.

4 Kommentare zu 'Berlin, Teil 2: Tag 5 bis 9'

felix

berlin scheint ja wirklich ein reise wert. hast du auch am alex http://www.blinkenlights.de angeschaut? ich haett’ mir auch noch den zahlentischen angeschaut soll ganz gemacht sein (http://tim.geekheim.de/archive/000679.html).

Fragdieb

du hÄttest den verlinkten Text aufmerksamer lesen sollen, dann hÄttest du festgestellt, das die Installation am 23.2.2002 abgebaut wurde…das GebÄude selbst ist keine Blick wert, bei Tag zeichnet es nur Gammligkeit und HÄßlichkeit aus

diki

aber die gute art von beeindruckender hÄsslichkeit, die berlin so einzigartig macht :)

felix

stimmt’ hatte ich ganz vergessen dass es abgebaut wurde

apropos jan: https://ideotrope.org ist eine nette multi-user-weblog/wiki loesung auf everydevel basis