Burn Berlin Burn!
So. Der revolutionäre 1. Mai in Berlin ist nun definitv überstanden, und er war dieses Jahr sogar verhältnismÄßig harmlos, wenn ich meinem Vorrat an öffentlich-rechtlichen, lokalen, niveaulosen und sonstigen Fernsehsendern, meinen eigenen Erfahrungen (wenige) und den Aussagen von Bekannten trauen kann. Wirklich live am Ort des Geschehens war ich nur am Abend des 30.04, da die cleveren Leute vom SO36 ein zur Situation passendes Musikangebot auffuhren, nämlich ein Terrorgruppe-Konzert, und das auch noch am passenden Ort, die Oranienstraße in Kreuzberg, exakt dort, wo am nächsten abend die schönen Bilder von einem glühenden Müllcontainer entstanden. Einlass war 20.00 Uhr, als wir um 21.00 Uhr zu viert dort aufkreuzten, waren bereits alle Karten von den extra zum ersten Mai angereisten Punks aus ganz Deutschland aufgekauft worden. Dank 10-minütigem forcierten Warten und dekorativ Rumstehen hatten wir es dann doch noch geschafft, 3 Karten irgendwelchen Leuten abzukaufen, und unser vierter Mann Chris kam gegen Bezahlung als “Nils” via Gästeliste rein. Die offizielle Aufforderung zum “Blutpogo” der Terrorgruppe wurde exakt fünf Lieder lang durchgehalten, dann waren alle Zuschauer extrem außer Atem, die Raumtemperatur betrug ca 35° und die Luftfeuchtigkeit weit über 100%. Nach dem Konzert flogen vor den Türen die ersten Flaschen auf Streifenwagen und vermeintliche Zivilpolizisten, und einigen verirrten BMW 3er Cabrio Fahrern wurde der Flascheninhalt dekorativ auf die Ledersitze verteilt. Wo die Flaschen herstammen, ist fraglich, da auf dem Konzert ausschließlich Plastikbecher ausgeschenkt wurden, und Flaschen am Eingang konfisziert. Die Lage dort und die allgemeine Müdigkeit bewog uns dennoch, nicht mehr wie ursprünglich geplant im Mauerpark weiterzufeiern, sondern nach Hause zu fahren. In der U-bahnstation stellten wir fest, dass es fast allen Konzertbesuchern ähnlich ging, wer auf diesem Konzert war, hatte eignetlich keinen Bock mehr auf Randale. Die richtigen Krawalle gingen laut Fernsehen erst am Abend des 1.Mai los, und waren auch verhältnismÄßig harmlos. Es wurde lediglich ein Auto angezündet, das den türkischen Besitzer samt weinender Mutter auch groß ins Privatfernsehen brachte. Auch die gestern in der Berliner Zeitung interviewten Anwohner sprachen von einem sehr ruhigen 1.Mai, besonders hervorzuheben ist hier der Satz, den ein Anwohner von zwei Punks in seinem Hauseingang gehört haben will: “Ist das öde hier, ick geh nach Hause!”. Eine mir unbekannte Musikerin wurde dort ebenfalls erwähnt, die am 2. Mai zum Videodreh anch Kreuzberg kam, um dort eine verwüstete Kulisse nutzen zu wollen, und feststellte, dass eigentlich alles aussah wie immer. Nichtmal auf pseudoautonome “erlebnissorientierte Jugendliche” ist halt Verlass.


1 Kommentar zu 'Burn Berlin Burn!'
lol
der letzte Satz ist der geilste
“erlebnisorientierte Jugendliche”