Stinkoman Sunday Fun Talk
Designstudium!
so lautet der Titel von Helge Schneiders zweitem Bühnenstück, dass ich letzten Samstag in Bochum im randvollen Schauspielhaus gesehen habe. Darin geht es um die Satanskralle von Singapur, gespielt von “Nasenmann” Peter Thoms, diverse Mordopfer und die dazugehörigen Ermittlungen des Kommissar Schneider. Wer jemals einen Krimi von Helge Schneider gelesen hat (wer das noch nicht getan hat: unbedingt nachholen!), kann sich den Rest eigentlich schon vorstellen, ebenso den vorherrschenden Sprachstil. Perfekt dazu passend fand ich auch das Bühnenbild, eine in mehreren Etagen auf eine gigantische Drehscheibe montierte wackelige und perspektivisch krumme, leicht gammelige Stadtszenerie, samt Wohnung des Kommissars mit Einbauküche, der “Union-Stube” mit Flipper, Boutique, Eiscafé, Hochofen, Gefängnis, Polizeidezernat und Straßen. Dadurch entfielen zeitraubende Bühnenumbauten fast völlig, jeder Schauplatz des Stückes konnte durch Drehen des ganzen Konstrukts und Aufstellen von ein bis zwei Requisitien simuliert werden.
Die Handlung ist verworren und Helge-Typisch bizarr. Letztendlich geht es darum, dass die “Satanskralle”, ein Mann mit einer Krallenhand, aus dem Gefängnis entflieht und am Anfang mehr aus Versehen, aber dann mit wachsender Begeisterung Leute umbringt. Da die Polizei damit nicht zurande kommt, ruft der Polizeipräsident den Kommissar zurück in den Dienst, da nur er den Fall lösen könne. Nachdem die Kralle dann auch noch unbemerkt vom Schnitzel des Kommissars isst, nimmt er mit vollem Einsatz die Ermittlungen auf. Warum die Satanskralle jedoch nebenbei das Mövenpick-Eiscafé in der Stadt besitzt und von sich behauptet, Chinese zu sein, bleibt unklar.
Umgesetzt wird die ganze Geschichte von 8 Schauspielern und einer 3-Mann-Jazzcombo, daher tritt jeder Schauspieler in mehreren Rollen auf, auch kurzes Aus-der-Rolle-Fallen gehört zum Programm des Stücks, ebenso ein völlig handlungsfremder Clown, der die Unpässlichkeit seiner Situation irgendwann selber entdeckt und die entsprechenden Konsequenzen zieht. Ich hätte nie gedacht, dass Helges Combo-Mitglied und Lieblingsopfer Peter Thoms so ein guter Schauspieler ist. Auch Bartträger und Musiker Sergej Gleithmann als Rapper “Crazy Karl” gibt im 70er Disko-Look eine tolle Figur ab. Generell verlangte das Stück den Schauspielern einiges ab, neben ständigen Gerenne und Geklettere musste der Kommissar jedesmal mit brennender Zigarette auf der Bühne erscheinen, ordentlich mit Lebensmitteln herumgesaut wurde auch noch, geputzt allerdings nicht. Die Mordszenen simulierten Splatter-Effekte mittels roter Stofftücher, die die Kralle aus den Wunden der Opfer riss, und geworfenen Gummiköpfen.
Ich (als alter Helgefan und Liebhaber bizarrer Trashkultur) fand das Stück sehr sehr beeindruckend, und einem Großteil des Publikums in Bochum ging es wohl ähnlich, da einige Leute schon vor den witzigen Stellen loslachten, glaube ich, dass sie das Stück nicht zum ersten Mal sahen. Ich kann einen Besuch auf jeden Fall empfehlen, sofern man Helge Schneiders Werke mag.
Ursprünglich auf der Suche nach kostenlosen Stockphotos (gibt’s natürlich nicht) hat mich mein Browser (und meine Neugier auf interessante Links) vom css Zen Garden erst über stopdesign und dann über mikeindustries schliesslich zu einem interessanten Buch geführt: Tipping Point versucht, Phänomene bei denen die öffentliche Meinung/das öffentliche Verhalten plötzlich umschlägt als “social epidemics” zu betrachten.
What is The Tipping Point about?
It’s a book about change. In particular, it’s a book that presents a new way of understanding why change so often happens as quickly and as unexpectedly as it does. For example, why did crime drop so dramatically in New York City in the mid-1990’s? How does a novel written by an unknown author end up as national bestseller? Why do teens smoke in greater and greater numbers, when every single person in the country knows that cigarettes kill? Why is word-of-mouth so powerful? What makes TV shows like Sesame Street so good at teaching kids how to read? I think the answer to all those questions is the same. It’s that ideas and behavior and messages and products sometimes behave just like outbreaks of infectious disease. They are social epidemics. The Tipping Point is an examination of the social epidemics that surround us.What does it mean to think about life as an epidemic? Why does thinking in terms of epidemics change the way we view the world?
Because epidemics behave in a very unusual and counterintuitive way. Think, for a moment, about an epidemic of measles in a kindergarten class. One child brings in the virus. It spreads to every other child in the class in a matter of days. And then, within a week or so, it completely dies out and none of the children will ever get measles again. That’s typical behavior for epidemics: they can blow up and then die out really quickly, and even the smallest change — like one child with a virus — can get them started. My argument is that it is also the way that change often happens in the rest of the world. Things can happen all at once, and little changes can make a huge difference. That’s a little bit counterintuitive. As human beings, we always expect everyday change to happen slowly and steadily, and for there to be some relationship between cause and effect. And when there isn’t — when crime drops dramatically in New York for no apparent reason, or when a movie made on a shoestring budget ends up making hundreds of millions of dollars — we’re surprised. I’m saying, don’t be surprised. This is the way social epidemics work.
Er ist schlecht und er ist lang. Todesmutig werde ich ihn hier trotzdem veröffentlichen: Den Bericht über Rashomon im Theater Oberhausen. Geschrieben habe ich ihn am Montag oder Dienstag in der S-Bahn auf dem Weg zur Uni hin und wieder zurück.
Akira Kurosawa ist ein echtes Filmgenie. Zu seinen Meisterwerken zählt Rashomon, ein Film, basierend auf 2 Geschichten von Ryonosuke Akutagawa: Rashomon und Im Dickicht.
In Im Dickicht und dem Film geht es darum: Ein junges Paar zieht durch den Wald und wird dort von dem Räuber FIXME in eine Falle gelockt. Hinterher ist der Mann tot und die Frau verschwunden. Mehr Fakten sind nicht bekannt. Bei der Untersuchung des Falles kommen alle Beteiligten nochmal zu Wort, doch jeder schildert die Geschichte anders.
Weder das Buch noch der Film zeigen den Ablauf der Tat wie er wirklich passier ist, man sieht nur, was die Zeugen berichten. In diesem Punkt setzt die Inszenierung des Theaters Oberhausen unter Mitwirkung von FM Einheit an. Der Beginn und der Abschluss des Stückes entsprechen weitgehend der Vorlage, dazwischen jedoch sieht man, was vorher nicht zu sehen war: Den Ablauf der Tat als zentrales Element des Stückes.
Doch wie zeigt man etwas das man nicht kennt und gar nicht kennen soll? In der Aufführung wurde ein sehr abstrakter, moderner Weg eingeschlagen. Das Stück fand hinter der Bühne statt, in einem großen Sandkasten, die Zuschauer auf einer kleinen Tribüne sitzend, mit Blickrichtung Zuschauerraum. Rechts neben dem Sandkasten FM Einheit und seine Spiralen, Hölzer, Rohre und sein PowerBook.
(An dieser Stelle betritt ein Mädchen die S-Bahn (Essen-West) das auch bei der Aufführung war, aber sowas von überhaupt nicht nach Theater aussieht)
Man möchte meinen das Stück war von Anfang an eher als Multimedia-Musical geplant worden. Die etwa einstündige Darstellung der Tat wurde während der meisten Zeit lautstark von Einheit und seinem Kollegen am Baß (Caspar Brötzmann?) begleitet, gesprochenes Wort war nicht zu Hören. Dafür Gebärden, viel Tanz, viele Videoclips, sowohl Auf der Feuerschutzwand als auch auf dem Boden und viel Verwirrung. Das Spektakel war zwar interessant und spannend anzusehen, leider gelang es uns nicht, irgendeine Parallele zum Film oder Buch herzustellen. In dem Getose und Gewirbel waren immer mal wieder Elemente zu entdecken die der Vorlage entnommen schienen, das Ganze wollte sich aber nicht schlüssig fügen und schien ab und sogar jeglichen Bezug zu irgendwas dranzugeben und sich ganz auf den audiovisuellen Eindruck zu stürzen.
( AAARGH! KINDERHORDEN STÜRMEN DEN WAGGON, HABEN DIE KEIN FERNSEHEN? )
Irgendwann kam der Vorhang runter, dank unserer Position in der ersten Reihe, einen halben Meter vorder Bühne fast auf unsere Füße. Und genauso Abrupt wie es angefangen hatte war es auch schon wieder vorbei. Der Rest war das was man erwartet: Die Zeugen werden beim Untersuchungsrichter (in diesem Fall dem Publikum) vorstellig und schildern ihre Sicht der Dinge. Und plötzlich ergibt auch das Durcheinander einen Sinn.
Gut umgesetzt war in dieser Szene die Schilderung des Ermordeten. In der Vorlage spricht sein Geist durch eine Miko (eine Art Medium), hier spricht sein Kopf auf riesige Ausmaße projiziert von der Rückseite der Feuerschutzwand.
Trotz, vielleicht auch gerade wegen, ihrer “Kreativität” konnte die Inszenierung überzeugen. So konnte man sich auf Musik, Projektion und den Eindruck des Geschehens konzentrieren (wer sagt das alles immer darstellen oder aussagen muss?) wenn man irgendwann den Versuch einfach drangab, die Bilder zu entziffern oder mit der Vorlage in Verbindung zu bringen.
Ob man das Resultat noch als Theater bezeichnen kann? Im klassischen Sinne sicher nicht, als eine willkommene Abwechslung schon. Jeden Tag will ich mir sowas aber nicht reinziehen.
Ich will seit Tagen auch mal wieder was posten, leider hatte ich bisher keine Zeit dazu. nun sitz ich hier, bettfertig und warte darauf, dass die Kopieraktion von Liedern auf meinen MP3-Stick endlich fertig wird, da kann ich also auch schnell mal was schreiben. In der Uni wirds langsam ernst, die Klausuren rücken näher und ich weiss nicht wie ich leistungsmÄßig dastehe. Ich würd mal sagen die Übungen laufen gut, aber zuhause die Zettel zu bearbeiten und in 90 Minuten im Hörsaal ohne Hilfmittel unter den Argusaugen der Aufsicht ist glaubich ein himmelweiter Unterschied. Ich habs inzwischen drangegeben (zumindest vorübergehend), in der S-Bahn Hausaufgaben zu machen. Stattdessen les ich lieber. Zur Zeit fesselt mich “Die Katzen von Ulthar” von HP Lovecraft. Was ich zuerst als eine Kurzgeschichtensammlung vermutete (wie auch im Klappentext angekündigt), entpuppte sich nach der dritten Geschichte / Kapitel als Sammlung einiger Erzählungen, die so eng miteinander verwoben sind, dass man das ganze auch als Roman hätte verkaufen können. Im Gegensatz zu Lovecrafts anderen Geschichten spielt diese nicht in unserer Welt, sondern in der Traumwelt der Erde, die Lovecraft noch mehr Gelegenheit bietet seine unglaublichen Beschreibungen unfassbar böser Abscheulichkeiten auszuschmücken. Für Fans von Lovecraft oder Horror/Fantasy allgemein ein Muss. Davor hat mich nach Hard-Boiled Wonderland Murakami endlich mal wieder beschäftigt: “Als ich eines Morgens das 100%ige Mädchen sah” ist eine Kurzgeschichtensammlung das erste Werk Murakamis das auch auf deutsch erschienen ist (obwohl es nicht das erste war das ins Deutsche übersetzt wurde). “Als ich…” gefällt mir im nachhinein betrachtet besser als “Hard Boiled Wonderland” oder “Wilde Schafsjagd”, vielleicht weil ich mich in einigen der Geschichten irgendwie wiedererkannt habe. Murakamis Hauptfigur ist immer die gleiche: ein Mann, Ende 30, arbeitet in einer Werbefirma für Haushaltsgeräte, trinkt viel, ist irgendwie gelangweilt vom Leben, zynisch aber nicht unfreundlich. Seien dies biographische Züge oder nicht, das zynische, gelangweilte macht ihn sehr sympatisch. Deswegen will ich das Buch jedem nahelegen, der kackreiz.net liest. Es könnte euch gefallen :)