Everyday Business

Ich merke gerade, das schon lange kein Post mehr von mir dabei war; das muss ich gleich mal beilegen, nicht das uns die Inhalt / Text - Ratio über den Kopf steigt. Ich bin im Moment schwer beschäftigt, was daran liegt, dass mein Grundstudium gerade so richtig loslegt:

Im Wahlpflichtfach Zeichnerische Darstellung & Gestaltung dürfen wir jetzt mit Buntstiften und Kreiden zeichnen, was nach kurzer Euphorie (Die Farben! Die Farben!) in ziemlich ernüchternde Mehrarbeit ausartet. Mein Geduldsfaden reisst ungefähr dort, wo ich mit der Vorzeichnung in Bleistift fertig bin. Die ersten paar Lagen Schraffur gehe ich auf dem Zahnfleisch, bis ich spätestens bei der Banane / Mango / Pampelmuse vollkommen ausraste; ist vielleicht auch ungeschickt, zu jeder Sitzung eine andere Frucht mit neuen wahnwitzigen Farbverläufen aus Mutter Natur’s Trickkiste mitzunehmen. Das Ergebnis ist meistens nicht so toll, das beste Blatt war bis jetzt das allererste, als noch die Engelsgeduld und Motivation da war. (Hm, das ist jetzt wirklich eine Rant geworden, dabei war es gar nicht so negativ geplant. Ist doch eigentlich voll geil - Farbe. Ich meine, Farbe!)

Ach ja, und wir dürfen im Pflichtfach “Dramaturgie des Zwischenraums” jetzt mit Flash herumspielen. “Dramaturgie des Zwischenraums” heisst eigentlich Interfacedesign, aber unser Prof nimmt das ganze sehr ernst. Worte wie “Oberflächengestaltung” sind synonym mit Körperverletzung, und zwar am Studenten, durch den Prof. Wir gehen nämlich tiefer, viel tiefer - und auch viel höher -, aus der Oberfläche heraus in den Raum direkt in den Kopf, und zwar mit Klang. Aber es geht um auch Dramaturgie, und gerade in den neuen Medien brauchen wir dazu auch Stille. Die erste Vorlesung hat mit 20 Zeilen aus John Cage’s “Vortrag über Nichts” angefangen und trug Folientitel wie “Demokratie der Sinne”. In den letzten Wochen musste ich mir das Argument gefallen lassen, das Ohr wäre dem Auge gewissermaßen überlegen, weil es nämlich 10 Oktaven wahrnimmt, während das Auge nur etwa 1 Oktave abgreift. Eigentlich muss ich gar nichts mehr dazu sagen, will aber noch etwas bösartig werden. Ethno-Gebrabbel, quasiwissenschaftlicher Blödsinn, Pseudoargumente. Abgesehen davon ist der Mann voll kompetent, hat nen riesenhaufen Erfahrung auf dem Buckel, ist nicht mehr ganz jung und viel zu dynamisch; ich glaube auch, dass er nicht andauernd kokst, was heutzutage viel wert ist.

(Das hört sich jetzt an, als würden wir wer-weiss-was im Unterricht veranstalten. Fakt ist aber, dass wir technisch bis jetzt nur Buttons mit Sound in Flash gebaut haben. Das war alles. Schall und Rauch, anyone?)

Ooh, und wir haben jetzt Typografie, das ist grob gesagt der Umgang mit Schriften und im Moment nichts anderes als Bastelstunde mit vorgedruckten Lettern, aber auch ganz interessant. Ich weiss jetzt zum Beispiel, dass wir hier alle typografische Verbrecher sind, vor allem, wenn wir kursiv oder fett schreiben, ohne den dafür vorgegebenen Schriftschnitt zu verwenden, sondern den dreckigen Shortcut über berechneten Shit nehmen, bei dem dann die Schriftgewichtung und Linienstärke den Bach runtergeht; vom KR-Logo will ich gar nicht reden. Ich würd das auch alles besser machen, aber ich bin gerade einmal 3 Wochen in dem Stoff drin, also ruhig Blut. Trotzdem ist im Netz und auf der Straße aber alles Scheiße, weil nur noch Affen vor Rechnern sitzen und sich den Mist zusammenklicken, für den wir später vielleicht erfolglos Geld verlangen, nicht bekommen und dann selbst schlecht zusammenklicken, um die Miete zahlen zu können. Damnit, schon wieder ne Rant.

Ich schieb’ schon die ganze Zeit den Link nach unten, wegen dem ich eigentlich hier bin, nämlich Schriftgestaltung, bestes Fach ever der letzten 3 Wochen. Ich darf lobend erwähnen, dass WordPress im Admin-Bereich Minuskelziffern verwendet, die das Schriftbild positiv beeinflussen; im Blog kommt das allerdings in Versalziffern raus, die alles vollblocken. Yadda yadda, auf jeden Fall ist der Prof super, bringt uns interessante Fakten über die Schrift ins Hirn und hat uns außerdem die erste Hälfte der humanistischen Kursiv beigebracht, die wir in Zukunft mit Stahlfedern aufs Papier bringen werden. Mit der “ersten Hälfte” (übrigens sind die Anführungszeichen hier im Admin-Bereich auch nicht richtig, wollte das mal anmerken) meine ich die Lettern “inmlhjftocer”, uns fehlen also noch “abdgkpqsuvwxyz”. Das macht aber nichts, denn wir können die wichtigsten Ausdrücke der deutschen Sprache schon schreiben, nämlich “nein” und “heil hitler”, leider ohne Versalien, die kommen erst nächstes Semester. Es folgt ein schlechter Scan von schlechter Schriftgestaltung. Damit wären wir am Ende unserer Sendung.

8 Kommentare zu 'Everyday Business'

Fragdieb

zu deinen Fruchtproblemen: schon blöd, dass es keine mattschwarzen Früchte gibt, oder?

Diki

Ich hätte auch nichts gegen schneeweisse Äpfel …

Fragdieb

Vielleicht solltest du mal die Fakultät Biochemie und angewandte Genmanipulation der Uni aufsuchen.

Diki

Wir haben einen Fachbereich für Landwirtschaftskunde (oder so ähnlich), mit eigenem Hühnerhof …

shad

diki’s kommilitone hat seine flash aufgabe leider schon wieder ausm netz genommen, sonst haette ich am feldbeispiel zeigen koennen, dass so bedeutungsschwangeres geschwafel wie “Dramaturgie des Zwischenraums” am ende ruelpsende flash buttons meint…

l'üdo

Mein Bruder studiert Garten-Landschaftsarchitektur, wahrscheinlich in genau diesem Fachbereich. Vielleicht kennt der Pflanzan ohne Schattierungen und Farbverläufe?

shaly

oooh, da machst du sicher bald auch die DIN 16518 :)
oh mein gott. wie ich es hasse, serifen bei schriftgröße 10 zu analysieren.

Diki

Au ja, die haben wir schon … allerdings wenden wir das noch nicht an (Gott bewahre, bloss kein Praxisbezug in den ersten 4 Semestern) ;)