Moers Festival 05

Die alljährliche Tradition wurde fortgesetzt, mein Vater und ich fuhren wie jedes Jahr nach Moers zum Jazzfestival, und ich schreibe hier einen Review dazu.

Freitag, 13.5.05 Laut Radio waren in Deutschland insgesamt 600 km Stau, der in der Gegenrichtung reichte von Duisburg bis Bochum, aber das konnte uns nicht davon abhalten, nach Moers zu fahren. Los ging es diesmal relativ spät, so dass wir sogar pünktlich um kurz vor 6 da waren.

Die musikalischen Darbietungen eröffnete das Colin Towns Mask Orchestra, eine in der Besetzung klassische Big Band. Auch vom Sound her spielte das Mask Orchestra klassisch, ohne elektronische Effekte und Spielereien. Colin Towns selbst beschränkte sich darauf, zu dirigieren, und zwischen den Stücken die Namen der Solisten zu nennen und seine neuen CDs anzupreisen. Besonders beeindruckend an der Spielweise des Mask Orchestra waren die virtuosen Wechsel zwischen festgelegten gemeinsamen Teilen und frei improvisierten Soli. Colin Towns ließ seinen Musikern dabei wirklich Platz zu gewagten Improvisitaionen, beliebig klang jedoch keins der Stücke.

Danach waren KTU, ein finnisch/US - amerikanisches Quartett an der Reihe. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern spielten KTU mit viel Elektronik-Unterstützung. Sie traten mit der merkwürdigen Instrumentenkombination Gitarre, Akkordeon, Schlagzeug (sowohl klassisch als auch elektronisch) und Sampler auf. Die Musik von KTU bestand zum Großteil aus sehr lauten, schwermütigen Klangflächen. Da jedoch keins der Instrumente irgendwie eine Art von Vordergrund aufbaute, driftete die Musik für meinen Geschmack zu sehr Richtung Ambient ab, die Assoziation “dunkler finnischer Winter”, drängte sich irgendwie auf. Auch der “Gesang”, ein an “nanaaaaaananaaaaaaanaaaaa” erinnertes Gebrabbel und Gestöhne schaffte es nicht, die Musik wirklich in den Vordergrund zu rücken. Die beiden Finnen von KTU trugen bei ihrem Auftritt diese merkwürdigen bodenlangen Röcke für Männer, die man bei skandinavischen Metalbands häufiger sieht, weiß einer von euch, wie man die Teile nennt?

Den Freitagabend beschlossen die Yohimbe Brothers. Bei ihnen stand eindeutig Spaß und gute Laune im Vordergrund, sie spielten und sangen eine fetzige Mischung aus Jazz, HipHop, härteren Rockparts, den Scratch-Techniken von DJ Logic und sehr tanzbaren Teilen. Dabei brachten sie eine Menge Energie rüber und animierten große Teile des Publikums, mit ihnen mitzufeiern, den Yohimbe Brothers stand im Gegensatz zu KTU der Spaß an ihrer eigenen Musik deutlich ins Gesicht geschrieben, und zu Zugaben ließen sie sich nur zu gern überreden.

2 Kommentare zu 'Moers Festival 05'

Jan

Scheisse, warum muss ich mir eigentlich von einem Berliner erzählen lassen, was in meiner Nachbarstadt los ist?

Fragdieb

weil du ein pflichtbewußter Student bist, der Arbeit für die Uni als sein höchstes gut im momentanen Leben ansieht und sämtliche anderen Aktivitäten dahinter zurückstellt blabla.