Multitasking
Nachdem ich gestern meine vorerst letzte Klausur in Fertigungslehre geschrieben habe, bin ich einem Phänomen begegnet, dass mir nicht das erste Mal passiert ist.
In den letzten 2 Wochen, in denen ich mich intensiv auf besagte Klausur vorbereitet habe, fielen mir ständig Dinge ein, die ich tun musste/wollte, zu denen ich aber wegen des Lernens nicht gekommen bin. Sobald ich von der Klausur wieder zuhause war, wusste ich auf einmal nichts mehr. Ich hatte keine Ahnung was ich machen sollte und hing den halben Tag nur frustriert und antriebslos auf dem Bett herum. Selbst wenn ich krampfhaft versuchte mir etwas in Gedächtnis zu rufen was ich jetzt endlich tun könne fiel mir nix ein.
Heute wars ähnlich. Nachdem ich verkatert viel zu früh aufgewacht bin (Nacht mit Jesse, Bier und Zombiefilm (Dawn of the Dead, netter Film) verbracht) ging ersma wegen hämmerndem Kopf und Polka in der Magengegend nichts. Als ich gegen Mittag wieder klar kam, gleiche Situation wie am Vortag. Apathie und Lustlosigkeit. Gestern hatte ich mir vorgenommen, heute morgen ein paar kleine Erledigungen zu machen. Als ich wieder fahrtüchtig war, fiel mir nicht mehr ein wohin ich überhaupt fahren wollte, also hab ich, weil die häßliche Stelle im CD-Regal mich störte, alle meine Visions-Sampler (in Papphüllen) sortiert und durchgehört. Irgendwann hab ich mich dann aufgerafft und mein Fahrrad auseinander geschraubt. Immerhin kann ich jetzt nächste Woche zu Kuhnen damit, endlich neue Zahnräder draufmachen lassen.
Heute abend bin ich bei Slashdot auf die News The Downside of ‘Hypertasking’ gestoßen. Es geht darum, dass die Tendenz, immer mehr Sachen gleichzeitig zu machen die Produktivität stark einschränkt statt sie zu erhöhen. Die dazugehörigen Kommentare sind auch fast alle ziemlich interessant. Neben dem Hypertasking wird in den Kommentaren auch viel über die Nachteile von Echtzeitkommunikation (Handy, Instant Messages) und Email in Hinsicht auf die Arbeitsleistung geredet. Menschen sind selten Herr über die Technologie die sie benutzen (In Soviet Russia, Technology uses you!) und lassen sich zu Dingen verleiten zu denen das Gehirn gar nicht fähig ist. Für weitere Details bitte den Artikel lesen.
Die Sache ist ist die: genau das Thema hat mich während meiner Klausurvorbereitung auch betroffen. Da ich keinen Bock habe auf englisch auf slashdot zu posten, gebe ich hier meinen Senf ab:
Ich kam nicht recht in die Gänge mit dem Klausur-Krempel. Als ich irgendwann im Keller im Gästezimmer meinen alten Schreibtisch aufgebaut und mit nichts als einer Lampe, meinem Laptop, Papier, einem Kuli und einer Flasche Wasser ausgestattet habe lief auf einmal alles wie von selbst. Die angenehmere Luft im Keller (kühl und trocken, statt heiß und stickig in meinem Zimmer) hat sicherlich einen Teil beigetragen, aber sehr wichtig war vor allem die Tatsache, um mich herum keine Ablenkung zu haben. Um mich herum waren keine überflüssigen Gegenstände mit denen ich mich hätte beschäftigen können, auf dem Laptop sind kaum Programme installiert und vor allem gibts im Keller keinen Internetzugang. Aber auch akustische und visuelle Reize gibts im Keller viel weniger als in meinem Zimmer, ausser der Waschmaschine, die durch 2 Türen von mir getrennt war gibts da unten nichts, nichtmal aus dem Fenster gucken kann man.
Natürlich hab ich auch ab und zu oben gearbeitet und da konnte ich folgendes feststellen. Sowohl Timo, Felix und Hausi haben sich auch alle auf Klausuren vorbereitet und zum ersten mal ist (zumindest nach meinem empfinden) massiver gebraucht vom DND-Status bei ICQ gemacht worden. Ich selbst habe das Ding überhaupt zum ersten Mal eingesetzt. Dank Mirandas extremer Flexibilität hab ich mir sowohl Sounds als auch das ScrollLockNotify im DND-Modus abgeschaltet. Der Monitor ist eh immer aus wenn ich nicht gerade am Rechner arbeite, keine Chance also das mich jemand nerven konnte.
Obwohl die Wirksamkeit an sich eigentlich nicht verwunderlich sein sollte, hat mich die Quantität des Erfolgs dieser Maßnahmen beeindruckt.


5 Kommentare zu 'Multitasking'
Ich kann das direkt so unterschreiben! Allerdings muss ich mich nicht in den Keller setzen, ich hab ja auch gar keinen ;-). Bei mir reicht schon, wenn ich den Monitor und Musik ausmache. Vor allem die Musik stört beim Lernen bzw. konzentrieren. Am Anfang habe ich immer gedacht ein bischen leise Musik kann nicht schaden, doch ich habe festgestellt, dass man dann nie 100%ig bei der Sache ist. Sobald es ganz ruhig um mich ist, kann ich mich fast schlagartig besser konzentrieren!
Auch das Phänomen, dass einem beim Lernen tausend Sachen einfallen, die man machen will und dann nachher nicht mehr weiß was das war, habe ich festgestellt. Echt ätzend! Ich sitze vor meinem Rechner und versuche angestrengt nachzudenken, was ich jetzt endlich mal machen kann und das einzige was mir einfällt sind Sachen für die Arbeit zu machen.
ja - mir fallen auch immer dinge ein, die ich viel besser als pauken machen koennte. auf kackreiz kommentare schreiben und so.
ich schreib mir die dinge meistens immer auf kleine gelbe zettel und klebe die dann weg. wenn man den kopf frei hat kann man sich besser konzentrieren, genau so wie wenn man isoliert ist. es heisst ja nicht umsonst elfenbeinturm.
wobei das auch nicht immer so ist. bei gewisser medienkompetenz und disziplin kann man auch unisoliert gut lernen - zwar sollte man icq und telefon leise stellen und die tuer zu machen - aber ohne internet koennte ich nur schlecht lernen. da fehlen mir sachen wie http://mo.mathematik.uni-stuttgart.de/
das hyper-aufgabenabarbeitung besonders effektiv ist kann ich mir gut vorstellen.
aeh der letzte satz sollte natuerlich verneint sein - da wurde ich wohl abgelenkt
Als angehender Jurist und damit inzidenter Bücher- und Lernwurm kann ich deine Erfahrung nur teilen. Man muss puristisch ausgestattet versuchen, abgeschottet von der Aussenwelt (Sodom und Gomorha[oder so ähnlich]) sein Lernziel zu erreichen. Arbeit, Freundin und sonstige Unannehmlichkeiten müssen für diesen “kurzen” Moment ausgeblendet werden. Ach ja, Jan meld dich bitte mal bei mir heyco@hotmail.com Thanxs!
was soll ich dazu noch sagen.
ich habe mir, wie felix schon meinte, auch immer alles aufgeschrieben. irgendwann ignoriert man aber dennoch die zettel und mir ist aufgefallen, dass ich öfter eine stelle an der wand angucke, wenn ich mich “konzentriere” und genau da hängt jetzt eine fette magnetwand mit zetteln :o)
wenn ich scripte lese, die ich nur als pdf habe (mein drucker hat in letzter zeit gestreikt) zieh ich den rechner vom netz und leg mich auf die couch und lern da. da wird man auch nicht verführt ein 10 mal in 5 minuten auf die gleiche seite zu gucken (wo sich natürlich immernoch nichts geändert hat) nur um nicht lernen zu müssen.