Noch mehr S-Bahn Geschichten

Jetzt bin ich dran. Was in meinen 2,5h täglich Bahnfahren passiert ist zwar im großen und ganzen auch ziemlich unspannend, aber ab und zu sind schon ein paar Perlen der Unterhaltung dabei. Hier erstmal eine:

Es gibt in Dortmund zwei Mädels (Mädels kann man schon nicht mehr sagen, das sind mehr so Tanten, nur das die wenig älter sind als wir) die haben ab und zu zur gleichen Zeit aus wie wir (Timo und Ich). Dabei sehen wir immer zu, dass wir uns in der Bahn in die nähe von denen setzen, denn dann wird die Fahrt immer sehr unterhaltsam. Eigentlich fängt das schon am Bahnsteig an aber da kann man in der Regel nichts verstehen. Die zwei sind groß und grob, nicht hÄßlich aber auch nicht besonders hübsch, die eine (Tante A) etwas grÖßer und dicker, die andere (Tante B) macht mehr nen sportlichen, kleinen Eindruck. Beiden gemeinsam ist ein irgendwie offensives Wesen. Wenn Sie reden hat man den Eindruck Sie reden den Gegenüber in Grund und Boden. Natürlich sind Sie selbst immun dagegen, da stacheln Sie sich eher gegenseitig hoch.

Grund für die Unterhaltsamkeit der beiden ist ihre Leidenschaft intime Details sowie banale Belanglosigkeit in voller Lautstärke im vollbesetzten Abteil zu diskutieren. Die erste Begegnung fand in der ersten Klasse statt, in die Timo und Ich uns im Dezember wegen akuter, verspätungsbedinger überfüllung der S-Bahn zu flüchten entschlossen haben. Die beiden saßen einen Vierer neben uns. Diskussionsthema war die kleine Schwester von Tante B und ihre Art sich zu stylen wenn Sie abends weggeht. Das Tante A und Tante B selbst nicht allzuviel vom Stylen hielten, wurde sich 30 minuten lang lautstark anhand von vielen anschaulichen Beispielen versichert. So regte Tante B sich fürchterlich darüber auf dass ihre Freundin C mal mit ihr Inline-Skaten wollte und das Ganze daran gescheitert ist, dass Freundin C nichts passendes zum anziehen hatte. “Meine Fresse, hab’ich der gesacht, zieh einfach ne olle Jeans an und nen Pulli damit du dir nix kaputtmachst wenn du hinfällst.” (Anm.: eigentlich ne vernünftige, sympathische Sichtweise, Thema hier ist aber die Art des Vortrags) “Da meint die NÄÄ, das sähe scheisse aus und ausserdem hätte sie keine Jeans und überhaupt…” Dem folgten 10 Minuten über die Tussiqualitäten von Freundin C, die inzwischen auch keine Freundin mehr war. Daran schloß Tante A an, zu berichten dass man IHRER Freundin D 2 Std. vorm Weggehen bescheidsagen muss, damit sie sich noch schminken kann. Wiederum gegenseite Bestätigungen wie abartig dass doch sei und das ein bißchen Lidschatten und dezenter Lippenstift ja reiche und das das hinterher ja sowieso alles egal wäre “Jaja, genau meine Meinung. Und weisste wat,…” Als die beiden gerade richtig in Fahrt waren, mussten Sie leider aussteigen.

2 Monate später, ähnliche Situation, nur nicht in der ersten sondern in der zweiten Klasse. Diesmal war das Thema was am Wochenende passiert ist. Tante B erzählt. Vorgeschichte: Freundin E steht auf Freund F. Freund G verkuppelt die beiden. Freundin E ist total verliebt, aber Tante B hat von Freund H erfahren, dass Freund F überhaupt nicht an E interessiert ist. G wusste das auch und Tante B fragt sich was das soll. Am Wochenende dann Disco: B bis H und noch irgendwelche anderen fahren da zusammen hin. B berichtet von irgendwelchen Techtelmechteln die sich in der Disko zwischen allen abgespielt haben. Der Abend neigt sich dem Ende zu und Freund Z nimmt Tante B und Marc (den Namen konnt’ ich mir merken) mit nach Hause. Irgendwie ergibt es sich, dass B mit zu Marc in die Wohung geht.

Kurze Unterbrechung: Timo und ich hören mit spitzen Ohren zu und versuchen der Handlung die GZSZ alt aussehen lässt zu folgen. Bochum Hbf, zwei Studentinnen, auch etwa unser Alter steigen ein und setzen sich zu Timo und mit auf den Vierer, neben dem A und B sich immernoch unterhalten. Die zwei Mädels sind erstmal mit eigenen Gesprächen beschäftigt, während Timo und ich uns wieder anstrengen drüben nichts zu verpassen. Irgendwann sind die Mädels fertig und kriegen auch so langsam mit was hier läuft, wahrscheinlich weil wir die ganze Zeit mit knallroten Köpfen in uns hineinprusten und dabei immer wieder rübreschielen. Sie fangen also auch an zuzuhören und irgendwann sitzen wir da zu viert und grinsen uns an, gespannt was wohl als nächstes passiert.

Währenddessen hat B mit Marc geschlafen und sitzt jetzt mit ihm am Frühstückstisch “Ich hab mir gedacht, hauste morgens schnell ab und gut is, aber nee, der wollte noch frühstücken und so”. Dann zitiert B wie sie beide einvernehmlich vereinbaren “Hmm, das lassen wir jetzt aber auf sich beruhen, ok? Zu keinem ein Wort. Ok!”. So laut, dass es jeder der nicht gerade mit was andrem beschäftigt ist es einfach hören MUSS. Ich meint die hopst mit nem Kerl in die Kiste, verspricht keinem was zu erzählen und posaunt es am Montag durch die ganze S-Bahn. Leider konnten wir nicht erfahren wie es mit Marc weitergegangen ist, weil Tante A und Tante B in Essen raus mussten. Noch ein Termin hat sich danach auch leider nicht mehr ergeben, aber mal sehen vielleicht gibts im nächsten Semester neue Geschichten von Tante A und Tante B.

Wenn Sie nicht in den Ferien verreckt sind. Wegen Wortstau. Mangels Gesprächspartner…

5 Kommentare zu 'Noch mehr S-Bahn Geschichten'

shaly

ich lad euch mal zum sonntÄglichen kaffee-krÄnzchen ein.

Timo

Vielleicht kÖnnen wir die bei nÄchster Gelegenheit auch mal live aufnehmen mit einem unserer Mp3 Player? Ist das Überhaupt erlaubt? Hmm egal, wird wahrscheinlich eh nicht klappen wegen der NebengerÄusche.
Obwohl, das wÄre schon cool. Und wenn wir genug Material haben, dann verkaufen wir die Geschichten als HÖrspiele. Ha, da macht sich die Uni ja schon bezahlt ;-)

Jan

Aber dafÜr geht das mit den MP3-Dinger echt zu schlecht, aber vielleicht klappt das mit dem notebook

shad

hat der mp3 player kein mic in?

Jan

Doch aber ein extrem wurstiges