Quo vadis, Gewaltdebatte?

Es ist echt zum heulen: Deutsche können Spiele scheinbar nur noch unter dem Moral- und Gewaltaspekt betrachten, mahnen, politisieren. Auf einem solchen Boden kann eine geistreiche Diskussion über Videospiele und deren innere Qualitäten nicht gedeihen, stattdessen werden nur 20-Jahre alte Argumente breitgetreten.

In gleichen Atemzügen wird der Fachpresse Oberflächlichkeit vorgeworfen, man solle sich gefälligst nicht so sehr auf technische Aspekte konzentrieren. Die Fixierung auf die Gewalt-”problematik” ist dabei aber nur unwesentlich besser, denn hier bleiben genausoviele Merkmale des Spiels auf der Strecke.

Aber was soll’s, wenn der Erfolg einem recht gibt, lädt das kaum dazu ein, seinen Kurs zu korrigieren.

16 Kommentare zu 'Quo vadis, Gewaltdebatte?'

Ich kann mich noch erinnern, als Street Fighter II in unserer Familie einen nicht zu verachtenden Streit zwischen mir und meinem Vater auslöste, wie schrecklich und brutal das doch alles sei, worüber ich aber noch keine Zeit hatte nachzudenken. Ich hatte mehr damit zu tun Combos auswendig zu lernen.

Stellenwert von Spielen in Deutschland, Akzeptanz von Spielen in Deutschland. Spielen ist kein Privileg der Jugend, das ist klar aber warum funktioniert das in Deutschland immernoch nicht? Was machen wir falsch?

Kuhnen

Naja, auch Computerspiele haben einen Einfluss auf ihre Konsumenten, das ist klar.

Die Gewaltdebatte ist aber aus wissenschaftlicher Sicht einfach schwachsinn. Es konnte eine Korrelation zwischen Konsum gewalthaltiger Medieninhalte und Gewaltbereitschaft von r=.03 festgestellt werden, welcher nicht einmal signifikant war.
Bedeutet: Leute die gewalthaltige Medieninhalte konsukieren haben im Schnitt eine um drei Prozent höhere Gewaltbereitschaft.
Zum Vergleich: Menschen mit Beziehungsproblemen weisen hier ein r von .35 auf.

Jan

Das Problem mit der nicht-enden-wollenden Gewaltdebatte liegt ja wohl darin, wie Deutschland in der Vergangenheit mit dem Thema umgegangen ist (Stichwort: BPjS). Da ist eine Empfindlichkeit entstanden die auch heut’ noch existiert.

Kuhnen

BPjS ??

Fragdieb

BPjS = BundesPrüfstelle für jugendgefährdende Schriften, wurde irgendwann in den letzten Jahren zu BPjM (M für Medien) umbenannt, da dies dem Betätigungsfeld eher entspricht.

Schettler

Gewaltverbrechen in den USA seit dem erscheinen von Doom.
http://pointlesswasteoftime.com/games/halocrime.gif
http://www.ojp.usdoj.gov/bjs/glance/viort.htm

Habe aber keine Zeit und Lust zu gucken ob das stimmt.

Als Comicleser erinnert mich das sehr an die Wertediskussion der ‘50er-Jahre, wo Batman die Jugend schwul, “Tales from the Crypt” sie gewalttätig und die “Crime”-Comics sie zu kriminellen Kommunisten gemacht hat:

http://en.wikipedia.org/wiki/Frederic_Wertham

Das traurige ist nur: Da haben die Comicverlage nachgegeben (oder nachgeben müssen). Mit dem Resultat, dass es zwar einige gute Underground-Comics gab, aber der gesamte Markt “erwachsenere” Themen bis Mitte der Achtziger nicht mehr anzufassen wagte. Das hat der Industrie kreativ fast das Genick gebrochen. Bei Videospielen könnte etwas ähnliches passieren (wobei da die US-Reaktion natürlich relevanter ist als die deutsche Reaktion.)

Aufgefallen ist mir immer wieder, dass gerade die Hauptredner bei der Gewaltdebatte, diese Spiele doch immer wieder spielen. Es macht halt doch Spaß, aber JA JA, dass Gewissen. Gerade bei diversen Spielen weiß ich aufgrund der Serie im Voraus wie das eigentliche Spiel und dessen Möglichkeiten aussieht. Warum spiele ich es dann trotzdem?
Das ist doch wie bei den Leute die sich täglich über das Kantinen Essen beschweren. Statts nicht mehr in der Kantine zu essen, gehts Tag ein, Tag aus immer wieder pünktlich um 12Uhr zur Essensdebatte.

MAHLZEIT!

Moment, du vergleichst hier aber gerade Äpfel und Birnen.

Da sind die Leute, die betonen, dass das Kantinenessen nahrhafter sein könnte, aber dass die Fritten und das Kantinenschnitzel halt doch gut genug schmecken um sie jeden Donnerstag zu essen. (i.e. Videospiele sind oft arg brutal, aber darum sollten sie dann nicht in Kinderhände… als Erwachsener möchte ich aber das Recht auf eine gewisse fiktive Brutalität haben.) Da sehe ich keinen Widerspruch.

Und dann gibt es die, die nie in ihrem Leben in einer Kantine waren, die aber trotzdem die Auswirkungen des Essens kritisieren und das mit wissenschaftlichen Studien belegen, die möglicherweise frei erfunden sind. (i.e. Frontal21, der niedersächsische Innenminister.)

Dein Kantinenbeispiel passt da nur bedingt.

4lmagest

Ich bin mir da nicht so sicher ob diejenigen Leute, die etwas über Videospiele etwas zu sagen haben auch je eins gespielt haben.(Mal abgesehen von den Prüfstellen)
Ernsthaft, fragt man einen Politiker über seine Meinung zu Videospielen so hält er diese bestenfalls für eine Zeitverschwendung, schlimmstenfalls für eine Bedrohung ohne sich jemals auch nur vor eine Konsole gesetzt zu haben. Es ist einen klarer Fall der Arroganz, wenn 70-jährige Nicht-Spieler über etwas besser Bescheid zu wissen glauben als die junge(was auch immer man darunter versteht, kann man heute kaum noch so ausdrücken) Generation.
Und schliesslich(schlussendlich existiert leider nicht -.-, eine harte Erfahrung für mich) gibt es ja bereits entsprechende Gesetzt für Jugendliche, wo ist da das Problem. Das ist doch das gleiche Problem, wie mit Tabak oder Alkohol, wenn sich Kiddies Doom3 kaufen und die Mutter(betonung liegt hier NUR Mutter) ein Herzinfarkt erleidet.
Somit kommen wir schlussendlich(ach ja, gibts ja nicht, dann: schliesslich) zum letzten Kapitel: die Mörder.
Eine kleine Geschichte:
Ein Junge ging in die Schule, schaffte nicht den Abschluss und weil ihn auch noch keiner ausstehen konnte und ihn sein Vater schlug(und er auch noch in einem Schiessklub angemeldet war), dachte dieser, er könnte seine Probleme mit einem Gewehr lösen.

Also
1. Das gabs und wirds auch ohne Videospiele geben.
2. Hallo? Videospiele verleiten zum Töten?
ok angenommen es stimmt, jeder Ego-Shooter macht aus einem normalen Menschen einen Psychopaten. Dennoch sind es nicht die CDs die einem das Leben nehmen sondern Kugeln, abgeschossen aus einem Gewehr und nicht einem Laufwerk. Wieso also nicht Gewehre statt Videospiele verbieten?
Die Antwort darauf sollte für jeden klar sein, der etwas von Politik zu verstehen glaubt. Natürlich könnten Politiker Waffengesetzte verschärfen, aber wozu? Es genügt doch vollkommen der Gamesindustry alles anzuhängen, das kommt gut bei der Presse an und man macht sich populär.

Meiner Meinung nach liegt das Problem in der fehlenden Aufklärung; man vergleiche einfach totalitäre Regime, wie Kommunismus oder das III. Reich, wo mit Hilfe der Propaganda Hass für bestimmte Werte oder Menschen erzogen wurde.

Jan

Oh noes, was habbich getan?
Jetzt haben wir die Gewaltdebatte hier :(

Menschenfresser

Ich finde Gewalt gut! Gewalt ist das einzige was mir Spaß macht.
Kinder sterben in den Armen ihrer Mütter. HA!
Ich schmeiße meine Essensreste weg und andere verhungern. HA HA!
Der nahe Osten vernichtet sich selbst mit Atombomben. HA HA HA!

Ihr seht, Gewalt macht einfach Spaß. Gewalt ist der Sinn nachdem alle suchen. Wir sind quasi geboren um uns mit Gewalt zu nehmen was wir wollen.

GEWALT GEWALT GEWALT GEWALT GEWALT GEWALT GEWALT GEWALT
ist das einzige was zählt.

Ich habe festgestellt, dass selbst übertriebene Gewalt in einem Shooter oder in ähnlichen Spielen nach kurzer Zeit von mir ausgeblendet wird. Was dann eh nur noch zählt, ist das erreichen des Ziels. Die ganzen “Gewalt in Computerspielen”-Debatten lassen mich am Ende eh kalt, aus dem einfachen Grunde, dass selbst Spiele die in Deutschland indiziert sind über kleine Umwege gekauft/besorgt werden können. Die Behörden die versuchen mich mit ihren Entscheidungen zu bevormunden kann ich somit einfach umgehen.

Pinkhighway

Hi Kuhnen,

welche Menschen haben keine Beziehungsprobleme? Sei es nun aufgrund der Nichtexistens einer Beziehung oder gerade aufgrund dessen?

ciao Sebastian L.

Kuhnen

Guter Punkt!
Aber leider funktionieren psychologische Experimente nicht so. Ich habe die Forschung gerade nicht parat :-) aber ich denke dass hier natürlich Menschen gemeint sind, welche in einer Beziehung leben und gerade mit ihrem Partner Probleme haben. Hat vielleicht auch den Vorteil des intuitiven Verständnisses.

Aber guter Punkt!

Ach ja, mein Lieblingsthema.

Aber statt mich hier zu wiederholen ein Link zu meinem Blog-Eintrag:
http://zlog.commander-z.de/index.php?/archives/9-Beruf-Killer,-Autodieb,-Drogenverkaeufer.html

Scheint mir ein ein klein wenig anderer Standpunkt zu sein als dieses Schwarz-Weiß, das auch hier zelebriert wird.

(Geil! Meinung und Werbung für Blog vereint!)