Studiengebühren

Nachdem jetzt überall über die Einführung von Studiengebühren diskutiert wird, was meistens zu einer Art Schützengrabenkonfrontation führt, möchte ich hier mal eine anständige Diskussion über die Möglichkeiten einer Einführung und die Art und Weise anstossen.

Was bisher an der Universität Bielefeld dazu gelaufen ist:

Anfang Februar ist eine Senatssitzung einberufen worden in welcher über die Einführung von Studiengebühren entschieden werden sollte. Dies ist auch geschehen und zwar mit dem Ergbebnis dass Gebühren eingeführt werden und das Rektorat über die Art und Weise bis Ende März beraten soll. Dies hat dann einen Schwall von Protestreaktionen seitens der Studierenden ausgelöst, die eine Besetzung des Rektorats nach sich zog sowie diverse andere Protestreaktionen. Die Argumente der Studenten sind intuitiv leicht zu erschließen und lauten wie folgt:

Durch die Einführung von Gebühren werden sozial schwächer gestellte Menschen vom Studium ferngehalten, was die Schere zwischen bildungsarmen Schichten und bildungsreichen Schichten noch weiter auseinandergehen lässt. Bei der Einführung wären auch gerade Studenten aus dem Mittelstand betroffen, welche gerade eben kein Bafög mehr bekommen und dann auch den vollen Satz an Gebühren bezahlen müssten. Diese Leute wären doppelt belastet. Außerdem wird bemängelt, dass in den universitären Gremien die Studierenden nicht ausreichend repräsentiert sind, was die demokratischen Prinzipien, die ja auch in der Uni herrschen sollten, unterdrücke und in eine Art Diktat der Professoren münde. Die vorgeschlagenen Kredite seien keine gute Lösung, da die Studierenden deren Eltern die Gebühren nicht übernehmen könnten, schon in jungen Jahren verschuldet wären und somit auch ein psychischer Druck aufgebaut werde, der den Studierenden das Studium erschwert und manche sicherlich eine Entscheidung gegen ein Studium treffen lässt.

Es wird also immer gegen die Einführung von Gebühren argumentiert und nicht über eine vernünftige Art und Weise. Die Argumente für Studiengebühren sind genauso leicht zu verstehen:

Mit dem Geld welches durch die Gebühren eingenommen würde (in Bielefeld ca. 10 Millionen im Jahr!), könnte man die Lehre immens verbessern, Stipendiensysteme für ‘Härtefälle’ finanzieren, mehr Tutorien anbieten, mehr Professoren usw.. Ein anderer wichtiger Punkt ist der Wettkampf zwischen den einzelnen Universitäten. Wenn eine Universität Gebühren einführt (was wie ich gehört habe in Köln und Dortmund schon beschlossen ist) müssen die anderen nachziehen, um einfach ein vergleichbares Angebot finanzieren zu können. Das ist ein Punkt indem es um Geld und Prestige geht, was gerade in dem universitären System sehr wichtig zu sein scheint. Forschungsaufträge und Beziehungen zu wirtschaftlichen Unternehmen werden aufgrund von Prestigefragen und Vitamin-B vergeben und bedeuten für eine Universität Erfolg. Für die Studierenden bedeutet dies: Jobs nach dem Studium. Unis, die in der Wirtschaft als ‘gute Arbeitskräfte produzierend’ bekannt sind, werden keine Probleme damit haben, die ausgebildeten Studenten erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu entlassen.

Ich kann eigentlich beide Positionen sehr gut nachvollziehen und finde dass Studiengebühren eine brisante Sache sind. Aber ich kann mich mit der bisherigen Art und Weise des Protestes nicht anfreunden. In Bielefeld wurde, wie oben schon gesagt, das Rektorat besetzt, wurden Professoren, die sich für Studiengebühren stark gemacht haben, körperlich attackiert und mit Eiern und Gemüse beschmissen. Es wurden Türen zugeklebt und Flugblätter verteilt wie: “Schade dass Beton nicht brennt!” Das hat mich eher abgeschreckt und ich möchte sagen, das ich diese Aktionen als störend empfunden habe und das Studieren in dieser Zeit nicht angenehm gewesen ist.

Ich habe persönlich eigentlich kein Problem damit Studiengebühren zu bezahlen und denke dass mit diesem Geld schon sinnvolle Projekte angegangen werden können. 500€ im Semester wären für mich aber einfach zu viel und damit möchte ich meine Eltern nicht auch noch belasten, da sie mir ja schon mein komplettes Studium finanzieren. Ein Kredit wäre eien Alternative, aber die bisherigen Angebote die ich mitbekommen habe waren unausgereift oder wirklich eine Schuldenfalle (ich spiele hier auf das Angebot der Deutschen Bank an).

In dieser Richtung wurden auch schon Vorschläge seitens des Rektorates gemacht: 1. Die Gebühren sollen bei der Einführung nach den bereits vergangenen Semestern gestaffelt werden, was bei mir dann bedeuten würde dass ich nur 200€ pro Semester zahlen müsste. 2. Die Gebühren sollen nach den einzelnen Studiengängen gestaffelt werden, da ein Physik-Studium mehr kostet als eines der Philosophie z.B..

Was ist denn bisher an euren Universitäten gelaufen und welche Vorschläge sind da gemacht worden und was haltet ihr für sinnvoll? Ich persönlich bin da eher hin und her gerissen, denn ich denke grundsätzlich, dass ein kostenfreies Studium sehr sinnvoll ist, aber ich bin mir schon der finanziellen Situation der Unis bewusst und denke dass es ok ist für sein Studium mehr als 140€ pro Semester zu bezahlen. Ein anderer wichtiger Punkt ist natürlich die Zahlungsmoral der Länder: Gerade jetzt wo bei der anstehenden Föderalismusreform der Bildungsbereich ganz in Länderhand fällt, drohen die Zuschüsse der Länder bei einer Einführung von Studiengebühren langsam zu versiegen. Und alle Versprechen seitens der CDU-Regierung in NRW z.B. sind so formuliert, dass die Zuschüsse so bleiben können wie sie sind oder in der nächsten Zeit überproportional gesenkt werden.

Also, was tun?

15 Kommentare zu 'Studiengebühren'

Du kommst auch aus Bielefeld?!

Jan

Abwarten und Teetrinken.
Nach dem was ich mitgekriegt habe sind die Gebühren rechtlich noch nicht in trockenen Tüchern.

Ich sehe das ähnlich wie du, dass man beiden Seiten sicherlich einige Punkte ab- aber sicherlich auch zusprechen kann. Hier in Sachsen hat man letztes Jahr zur Landtagswahl damit getönt, dass man keine Studiengebühren einführen will. Bis wann das gelten soll und inwiefern man sich daran halten wird, kann ich aber nicht abschätzen. Jedenfalls gibt es ja die Befürchtungen, dass zahlreiche Studenten aus den Gebühren-Ländern “flüchten” und in andere, bis jetzt gebührenfreie Bundesländer zu kommen. Aber in Leipzig ist jetzt schon alles überfüllt, obwohl inzwischen fast jeder Studiengang N.C.-beschränkt ist.

Ich persönlich könnte es mir auch nicht leisten, sollten Gebühren in der Höhe von 500€ eingeführt werden, zumindest wenn ich mein Studierverhalten wie jetzt beibehalte und alles von meinen Eltern finanzieren lasse, weil einfach die Zeit für einen regelmäßigen Nebenjob fehlt. Da müsste dann mein Angespartes ran, nur damit ich vielleicht noch ein paar Semester studieren kann. Andererseits wären ein paar Besserungen des Studium seitens der Universität durch mehr Tutoren und Professoren auch eine schöne Sache!

rich

also hier (luxemburg) wurden die studien gebuehren dieses jahr eingeführt. dies waeren dann 100€ im semester das wie ich finde noch auszuhalten ist. was nun exakt mit dem eingenommenem geld finanziert wird wurde bis jetzt nicht erwaehnt, ich hoffe mal man verbessert damit unsere uni strukturen.

Fragdieb

100€? die Berliner Unis schaffen es, 100€ Bearbeitunggebühr für die Rückmeldung zu kassieren, zusätzlich zu den 120€ fürs Semeseterticket, somit zahle ich im Moment sowieso schon 220€ Gebühren pro Semester…und das sind keine Studiengebühren, offiziel.

Diki

100€ Verwaltungsgebühren? In Essen zahlt man derer 10€, und das auch nur, wenn man sich verspätet zurückmeldet.

In Marburg liegt der “Verwaltungskostenbeitrag” bei 50 Euronen. Aber mit Beiträgen für Studentenwerk, Studentenschaft und Semesterticket komme ich auch auf gut 200 Euro pro Semester. Und, wie bei Fragdieb, das sind keine Studiengebühren…

Jan

“Euronen” ?
“EURONEN”?
Argghh!
“Euro” heisst das, oder meinetwegen noch “Euros”, aber “Euronen” ist schlimmer als “Teuro”

Können wir uns auf Ecu als Kompromiss verständigen?

Timo

Also ich bin jetzt vor ein paar Monaten ausgezogen und kann mir meine Wohnung und das Studium ganz gut leisten. Aber nur, weil ich neben dem Studium auch noch regelmäßig arbeite. Wenn ich aber jetzt noch 500€ im Semester Studiengebühren zahlen muss, dann wird das nicht mehr reichen und ich muss mir was überlegen.
Ich finde das auch eine sehr schwierige Sache mit den Gebühren, allerdings überwiegen bei mir die Argumente der Studenten, denn ich weiß wirklich nicht, was die Uni mit so viel Geld sinnvolles machen soll. Was ich so gehört habe wollen die unter anderem die Sprechstunden und Service der Profs und Lehrstühle mit dem Geld verbessern. Nur bin ich jetzt im 6. Semester und habe noch nie eine Sprechstunde gebraucht. Was ich an der Uni für verbesserungswürdig halte, sind die Profs bzw. die Qualität der Vorlesungen. Allerdings wüsste ich nicht, wie man dieses Manko schnell mit Geld aus der Welt schaffen sollte.
Andererseits gibt es sicherlich Dinge, die man mit mehr Geld verbessern könnte, wie z.B. mehr (Aufenthalts-)Räume, Bücher, Skripte …
Meine Befürchtung ist aber, dass mit dem Geld z.B. die Hörsäle verbessert/verschönert, die Cafeteria renoviert und andere kosmetische Sachen vorgenommen werden. Das wäre natürlich echt nicht schlecht, allerdings kann ich darauf auch verzichten und würde dafür nicht 500€ zahlen.
Warum ich auf diese Vermutung komme? Wenn man bei uns wichtige Dinge wie Klausuranmeldungen usw. regeln will, dann muss man sich eine Stunde beim Prüfungsamt anstellen, da die seit dem letzten Semester nur noch mit 2-3 Mitarbeitern auskommen müssen, da angeblich das Geld gekürzt wurde. Allerdings hängt auch ungefähr seit letztem Semester ein sicherlich sündhaft teurer, riesiger Flachbildschirm in der Wartehalle, der nichts anderes macht als die Öffnungszeiten in einem Standbild anzuzeigen. Für das Geld hätte man sicherlich einen 400€ Job einige Monate finanzieren können und die Schlange vor dem Prüfungsamt würde vielleicht nur um die erste Ecke gehen. ;-)

Schettler

Weiß eigentlich jemand ob die Studiengebühren zusätzlich zum Semesterbeitrag bezahlt werden müssen oder ob letzerer in diesen aufgeht?
In Münster liegt der Semesterbeitrag bei ca. 140 Euro. Ich glaube auch hier ist noch gar nichts definitiv entschieden aber die Informationslage ist sowohl seitens des ASTA als auch der Uni eher schlecht.

Ohne sich eigenständig zu Informieren kriegt man hier sehr wenig von den tatsächlichen Vorhaben mit, gleichzeitig verschanzt sich der ASTA auf der “nieder mit Studiengabühren”-Position und manövriert sich somit selbst ins abseits.
Es gab mal eine Vollversammlung auf der man entscheiden durfte ob man die totale Ablehnung der Studiengebühren unterstützt oder nicht.
Das war irgendwie deprimierend…

Jan

Die Studiengebühren werden an der Finanzsituation der Hochschulen nichts ändern, weil auf der anderen Seite die Landesmittel gekürzt werden.

Wichtig wäre mir vor Allem, dass ich weiß, dass die Studiengebühren überhaupt erstmal an die Hochschulen gehen. Respektive: An meine Hochschule. Den Verwaltungskostenbeitrag in Marburg sackt meines Wissens nach das Land Hessen ein. Wie das Geld dann umverteilt wird, weiß ich nicht. Aber es geht nicht zu 100% an die Hochschulen, man darf also davon ausgehen, dass mein Studium hier genutzt wird um Haushaltslöcher zu schließen. Und ich sehe nicht ein, dass das mit meinen Studiengebühren ebenso laufen sollte.

Ohnehin: Marburg hat fast nirgendwo einen NC und durch die Streichung von Landesmitteln ist man immer weniger interessiert einen NC einzuführen. Man bekommt ja zumindest Geld für jeden Studenten in der Regelstudienzeit. Die Sache ist nur: Das Studentenvolumen (also die Gesamtzahl, nicht die Adiposität der einzelnen Studenten) nimmt jedes Semester zu, die angebotenen Seminare und Vorlesungen werden aber - da Leerstellen nicht neu besetzt werden - weniger. Resultat: Für mich im Hauptstudium wird es von Semester zu Semester schwerer überhaupt in meine Kurse reinzukommen.

Und von der Qualität von Kursen mit teils über 100 Studenten, die alle irgendwelche lieblosen Dreieinhalb-Minuten-Referate halten müssen, möchte ich gar nicht erst anfangen. Die Bibliotheksöffnungszeiten werden derweil übrigens auch immer kürzer, weil das ja Geld spart und die wirtschaftlich unerheblichen Exotenfächer (etwa die Byzantinistik) dürfen der Schließung entgegen sehen.

Ich bin ja gewillt Studiengebühren zu akzeptieren, aber die sollten fair sein und die sollten helfen, die oben beschriebenen Probleme zu bekämpfen. Wenn das nicht passiert, dann sehe ich nicht ein, warum ich plötzlich über 1000 Ecu pro Jahr bezahlen soll, nur um immer weniger Qualität und Service zu erhalten. Schlagwort: Dienstleistungsgesellschaft.

Abgesehen davon: Dieses “Möglichst schnell Studiengebühren”-Gebahren wird zu der üblichen “mögichst schnell”-Reaktion führen: Man zimmert irgendwas zusammen, merkt dass es nicht funktioniert und darf dann Jahre oder Jahrzehntelang daran flickschustern und verschlimmbessern. Auch da: Ehe ich Studiengebühren wirklich akzeptiere, will ich ein auch gutes System sehen, das mir erklärt wie die Studiengebühren eingenommen werden und wie das sozial fair funktioniert (also die finanziell schwächeren Studenten nicht übermäßig belastet). Beim Bafög klappt die soziale Fairness schließlich häufig nicht.

Jan

Marburg?
Ich denke du hockst in England?

Auslandssemester. Jep. Aber ich bin noch in Marburg immatrikuliert und muss dementsprechend auch für die beiden Semester bezahlen, die ich nicht in Marburg bin. Und die anderen Krisen haben sich halt schon in den letzten zwei Jahren langsam abgezeichnet (wobei die studentische Reaktion darauf im besten Falle dilletantisch war).