Theaterbericht
Er ist schlecht und er ist lang. Todesmutig werde ich ihn hier trotzdem veröffentlichen: Den Bericht über Rashomon im Theater Oberhausen. Geschrieben habe ich ihn am Montag oder Dienstag in der S-Bahn auf dem Weg zur Uni hin und wieder zurück.
Rashomon
Akira Kurosawa ist ein echtes Filmgenie. Zu seinen Meisterwerken zählt Rashomon, ein Film, basierend auf 2 Geschichten von Ryonosuke Akutagawa: Rashomon und Im Dickicht.
In Im Dickicht und dem Film geht es darum: Ein junges Paar zieht durch den Wald und wird dort von dem Räuber FIXME in eine Falle gelockt. Hinterher ist der Mann tot und die Frau verschwunden. Mehr Fakten sind nicht bekannt. Bei der Untersuchung des Falles kommen alle Beteiligten nochmal zu Wort, doch jeder schildert die Geschichte anders.
Weder das Buch noch der Film zeigen den Ablauf der Tat wie er wirklich passier ist, man sieht nur, was die Zeugen berichten. In diesem Punkt setzt die Inszenierung des Theaters Oberhausen unter Mitwirkung von FM Einheit an. Der Beginn und der Abschluss des Stückes entsprechen weitgehend der Vorlage, dazwischen jedoch sieht man, was vorher nicht zu sehen war: Den Ablauf der Tat als zentrales Element des Stückes.
Doch wie zeigt man etwas das man nicht kennt und gar nicht kennen soll? In der Aufführung wurde ein sehr abstrakter, moderner Weg eingeschlagen. Das Stück fand hinter der Bühne statt, in einem großen Sandkasten, die Zuschauer auf einer kleinen Tribüne sitzend, mit Blickrichtung Zuschauerraum. Rechts neben dem Sandkasten FM Einheit und seine Spiralen, Hölzer, Rohre und sein PowerBook.
(An dieser Stelle betritt ein Mädchen die S-Bahn (Essen-West) das auch bei der Aufführung war, aber sowas von überhaupt nicht nach Theater aussieht)
Man möchte meinen das Stück war von Anfang an eher als Multimedia-Musical geplant worden. Die etwa einstündige Darstellung der Tat wurde während der meisten Zeit lautstark von Einheit und seinem Kollegen am Baß (Caspar Brötzmann?) begleitet, gesprochenes Wort war nicht zu Hören. Dafür Gebärden, viel Tanz, viele Videoclips, sowohl Auf der Feuerschutzwand als auch auf dem Boden und viel Verwirrung. Das Spektakel war zwar interessant und spannend anzusehen, leider gelang es uns nicht, irgendeine Parallele zum Film oder Buch herzustellen. In dem Getose und Gewirbel waren immer mal wieder Elemente zu entdecken die der Vorlage entnommen schienen, das Ganze wollte sich aber nicht schlüssig fügen und schien ab und sogar jeglichen Bezug zu irgendwas dranzugeben und sich ganz auf den audiovisuellen Eindruck zu stürzen.
( AAARGH! KINDERHORDEN STÜRMEN DEN WAGGON, HABEN DIE KEIN FERNSEHEN? )
Irgendwann kam der Vorhang runter, dank unserer Position in der ersten Reihe, einen halben Meter vorder Bühne fast auf unsere Füße. Und genauso Abrupt wie es angefangen hatte war es auch schon wieder vorbei. Der Rest war das was man erwartet: Die Zeugen werden beim Untersuchungsrichter (in diesem Fall dem Publikum) vorstellig und schildern ihre Sicht der Dinge. Und plötzlich ergibt auch das Durcheinander einen Sinn.
Gut umgesetzt war in dieser Szene die Schilderung des Ermordeten. In der Vorlage spricht sein Geist durch eine Miko (eine Art Medium), hier spricht sein Kopf auf riesige Ausmaße projiziert von der Rückseite der Feuerschutzwand.
Trotz, vielleicht auch gerade wegen, ihrer “Kreativität” konnte die Inszenierung überzeugen. So konnte man sich auf Musik, Projektion und den Eindruck des Geschehens konzentrieren (wer sagt das alles immer darstellen oder aussagen muss?) wenn man irgendwann den Versuch einfach drangab, die Bilder zu entziffern oder mit der Vorlage in Verbindung zu bringen.
Ob man das Resultat noch als Theater bezeichnen kann? Im klassischen Sinne sicher nicht, als eine willkommene Abwechslung schon. Jeden Tag will ich mir sowas aber nicht reinziehen.


3 Kommentare zu 'Theaterbericht'
wie sieht man nach theater aus??
klingt auf jeden fall interessant… aber auch so, als könnte es bei fehlendem zugang zu körperlichen qualen führen. hm. wie lange läuft das noch?
:-P
Man kann sich ja mal verschreiben
höä?
wie jetzt?