Tumbleblogs?

Ich glaub ich stöpsel mich bald vom Internet ab.

Das Bloggerpack rennt wie eine aufgeschreckte Herde kollektiv in jede Richtung die gerade opportun erscheint. Zuerst war es ja nur die Seuche mit den Tags. Da gräbt irgendwer das Konzept der Keywords aus, von dem Google vor Jahren bewiesen hat dass es für das Auffinden und Identifizieren von Informationen vollkommen ungeeignet ist, wenn jeder Affe sich selbst mit absolut irrelevanten Wörtern schmückt.

Jetzt kommt die nächste Welle: Tumbleblogs. Eine schöne Umschreibung für Linkdump. Bloß: das ist auch nichts neues. Und auch nichts dolles. Im Gegenteil: Wer hat ernsthaft Zeit sich durch Unmengen Infomüll die auf diese Weise provoziert und produziert werden zu wühlen um evtl. den ein oder anderen brauchbaren Link zu entdecken? Niemand. Allerdings ist scheinbar nicht jeder in der Lage, das auch zu realisieren. So dient der neue Hype vielen plötzlich als willkommene Entschuldigung: Ups, jetzt hab ich ein Weblog aber garnichts interessantes zu erzählen/bin zu faul zum schreiben. Anstatt sich mit weniger zufrieden zu geben wird also auf den Tumblezug aufgesprungen und per Bookmarklet noch mehr Mist in die Welt versprüht, Hauptsache es vergeht kein Tag ohne Post.

Klar dass das Internet nicht nur vom Content sondern auch von dessen Verlinkung lebt, aber langsam scheint mir dass vor lauter Verlinkung der Content auf der Strecke bleibt. Das Rauschen nimmt bedenklich zu, immer mehr Nasen bloggen nur um des Bloggens willen, scheiss auf die Relevanz, wer am lautesten Schreit hat gewonnen. Wenn das so weitergeht muss ich bald wieder anfangen Bücher zu lesen.

8 Kommentare zu 'Tumbleblogs?'

Naja, ich blogge ja auch primär um des Bloggen willens, da kann ich mich von einer gewissen Grundeitelkeit und einem Bedürfnis nach einem Forum für meine “intellektuelle Masturbation” nicht freisprechen.

Aber ich verstehe worauf du hinaus willst. Was ich in den letzten Tagen sehr bezeichnend fand war das “Tammy Video”. Okay, ich habe das jetzt nicht wirklich mitverfolgt und vielleicht den Witz an der Sache verpasst, aber wenn ich das bisschen, was ich auf Technorati und dem Blogcounter da gesehen habe, dann ging es darum, dass vielleicht eine asiatische Studentin ihr Handy mit Sexvideos von ihr drauf verloren hat… und alle drehen durch und jeder der einen Tammy-Bericht schreibt hat auch gute Chancen, dass er ganz oben auf den Linklisten landet und viele Hits bekommt. Ob es das Video nun gibt oder nicht weiß keiner, aber man kann ja erstmal drüber schreiben. Und alles was mir dazu einfällt ist:

WARUM? Das hier ist das verschissene Internet! Wenn ich Nacktbilder von asiatischen Studentinnen suche, dann gebe ich das bei Google ein oder tippe einfach zufällige irgendwelche Seitennamen in meine Adressleiste… spätestens beim dritten Versuch habe ich garantiert eine Seite gefunden, die mir asiatischen Studentinnenporn anbietet. Wozu muss ich da bei so einer affigen pseudourbanen Legendenbildung mitstricken?

Schrecklich finde ich auch, dass der Blogcounter vom Blogscout jetzt gleich auf der Startseite anzeigt, wie gut mein Blog im Vergleich zu all den anderen da registrierten Blogs abgeschnitten hat. Wenn ich dann über Nacht 200 Plätze verliere, dann frage ich mich natürlich: Warum? Was kann ich da machen? Dabei interessiert mich das doch eigentlich nicht einmal. Alles was ich von dem Counterteil will, ist dass es mir hilft herauszufinden wer auf meine Seite gelinkt hat. Den Rest habe ich bisher wunderbar ignoriert. Aber jetzt, mit den Zahlen direkt auf der Startseite, fange ich an wie so eine abgewichste Web2.0-Hure zu denken. Vielleicht sollte ich mal was über Tammy schreiben…

Ähhm, der Witz mit Tammy ist, dass es sie nicht gibt. Ein Google-Mindfuck sozusagen. So wie der “beste Blondingenwitz aller Zeiten” vor kurzem in deutschen Blogs.

Und: Tags find ich super. Aber ich bin bloß eine Web2.0-Hure. :)

Naja, dass es sie nicht gibt habe ich ja mit der “affigen pseudourbanen Legendenbildung” gemeint. Vielleicht enteht mir da irgendwas, aber was ist jetzt das Tolle an der Geschichte? Dass es Tammy nicht gibt, aber jeder mitzieht? Da finde ich dann Jakob Maria Mierscheid aber spannender und besser aufgezogen…

Aber wie gesagt, vielleicht verstehe ich den Witz an der Sache nicht.

Jan

Björn, du bist ja eigentlich das krasse Gegenteil von dem was ich geschrieben habe. Du schreibst (fast schon wieder zu) lange, interessante, gut geschriebene und wohlinformierte Beträge die es sich wirklich zu lesen lohnt.
Ich glaube nicht dass du bloggst um des bloggen willens, sondern weil du wirklich was zu sagen hast. Aber die Leute die den ganzen Tag nur Links und Fotos aus ihrem Bürofenster hinaus posten, die sollten sich mal überlegen warum sie das eigentlich tun.

Erstmal Wikipedia:
“Ein Weblog [ˈwɛblɒg] (engl. Kontamination aus Web und Log), oft einfach nur Blog [blɒg] genannt, ist eine Webseite, die periodisch neue Einträge enthält. Neue Einträge stehen an oberster Stelle, ältere folgen in umgekehrt chronologischer Reihenfolge.”

Und mehr nicht. Die ganze “Ideologie” drumherum ist nicht nur unsinnig, sondern auch nervend, weil jeder Arsch der Meinung ist, er müsste sich darüber aufregen, dass es so viele Ärsche gibt, die mit dem Prinzip des “Bloggens” etwas anfangen, dass sie nie angefangen hätten.

Mensch, lasst den Leuten doch ihren Spaß! Warum muss man sich jetzt eigentlich noch über diesen Mist aufregen? Das ist eine elitäre Haltung, die man nicht einzunehmen braucht. Und wenn Leute das Bloggen dazu nutzen wollen, um der Welt zu sagen, was sie gut finden - klasse, sollen sie doch machen. Wenn sie selber nicht schreiben können, verlinken sie eben - klasse, sollen sie doch machen.

Ist doch alles piepwurschtegal.

(Abgesehen davon, dass Tags toll sind. Aber auch ich bin wie Mo eine Web2.0-Hure.)

Schönen Tag noch,
Khesrau

Jan

“Und wenn Leute das Bloggen dazu nutzen wollen, um der Welt zu sagen, was sie gut finden”

Dann darf ich aber bitteschön auch der Welt sagen was ich nicht gut finde.

Haha, ja, sicherlich. Aber das ist nicht der Anspruch dieses Beitrages. Du findest, und das kann man “zwischen den Zeilen lesen”, dass solche Blogs keine Daseinsberechtigung haben, weil sie keinen “Content” bieten.

Etwas schlecht finden ist das eine. Etwas die Daseinsberechtigung abzusprechen die andere.

[...] Vor ziemlich genau einem Jahr hab ich persönlich erstmal erfahren was ein BLOG überhaupt ist. Und entweder leide ich an einem Realitäts- und Zeitverlust-Trauma zugleich oder das was in diesem Jahr passierte ist wirklich wahr. Denn irgendwie kommts mir so vor als ob diese (Pseudo-)Szene damals noch nicht so zugemüllt war. Das trifft in erster Linie die tausenden sinnleeren Blogs, die auch noch verzweifelt versuchen gelesen zu werden. Über Comments, Links, Tags, Tumbleblogs (wtf?) und dem ganzen Schrott von dem ich -Gott bewahre- eh nix verstehe. Mittlerweile hat selbst der letzte Hinterwälder erfahren was ein Blog ist… und jeder dieser Hinterwäldler muss das Netz zumüllen. Ob gewollt oder ungewollt. Das geht bis zu dem Punkt an dem man sowas für sich selbst macht in Ordnung… mach ich ja schließlich auch. Will man allerdings für andere schreiben, für andere Unterhaltung bieten und sich im schlimmsten Falle sogar noch richtig anbiedern, dann… DANN wird sowas peinlich… [...]