We got a Winner
Die einzigen “Drogenfilme” die ich bisher gesehen habe waren Big Lebowski und Fear and Loathing in Las Vegas, allerdings sind die beiden wohl eher die “andere” Art von Drogenfilm, die die man nicht im Reli-Unterricht zeigen sollte, wenn man seinen Job behalten will. Montag haben wir uns beim Shad Requiem for a Dream angeguckt, quasi der erste “ernsthafte” Drogenfilm für mich. Deswegen kann ich hier auch keinerlei Vergleiche zu Trainspotting, Das weisse Rauschen oder anderen Genrevertretern ziehen. Trotzdem bietet Requiem for a Dream eine Menge Punkte an denen man sich aufhalten kann. Requiem for a Dream ist von 2000, somit ein vergleichsweise neuer Drogenfilm. Die Geschichte dreht sich um die kleine Welt von Harry und Tyrone, zwei kleinen Junkies aus Manhattan, Harrys Mutter und Harrys Freundin Marion. Alle nehmen Drogen und sind am Ende entweder tot, im Knast, im Irrenhaus oder prostituiert. So weit, so vorhersehbar. In der Tat ist die große Geschichte von Requiem for a Dream erschreckend banal, es geschieht kaum etwas unerwartetes. Dies kann man dem Film vorwerfen, muss man aber nicht. Die Vorsehung des Scheiterns klingt ohnehin an, sobald man das Wort “Drogen” oder “Junkie” hört. Wir begleiten Harry und die anderen auf einem kurzen Trip von dem man weiss wo er enden wird. Das unausweichliche Ende rückt immer näher. Der Film bildet exakt ein Jahr aus der Geschichte der 4 Personen ab, säuberlich aufgeteilt in 3 Akte Sommer, Herbst und Winter.
Um Marions Traum von einem eigenen Modeatelier zu verwirklichen, fangen Harry und Tyrone an, Heroin nicht nur zu spritzen sondern auch zu verticken. Alles scheint wunderbar zu laufen, bis das Geschäft größer wird, Tyrone sich mit den falschen Leuten einlässt und bei einer Schiesserei von den Bullen hops genommen wird. Das bis dahin angesparte Geld geht für die Kaution drauf. Aus dieser verzweifelten Lage entfaltet sich das Drama.
Es ist schade das in einem solchen Film Plot Holes zum Knackpunkt werden: Als die Schüsse fallen, flieht Tyrone aus dem Auto des Dealers, in dem er über ein größeres Geschäft verhandelt hat, in eine Seitengasse. Warum zum Geier jedoch keine 30 Sekunden nachdem der erste Schuss gefallen ist die Bullen da sind und zwar genau am Ende der Gasse, in die Tyrone flüchtet ist mir schleierhaft. Klar ist nur: Ohne diesen unglücklichen Umstand hätte der Film keine Geschichte zu erzählen gehabt.
Beziehungsweise: Er hätte nur eine Geschichte zu erzählen gehabt: die von Harrys Mutter Sara. Mit der Handlung um Harry, Tyrone und Marion nur leicht verbunden, ist dieser Teil des Films der eigentlich bemerkenswerte. Obwohl ich, wie eingangs erwähnt, noch keinen der anderen Drogenfilme gesehen habe, bin ich mir ziemlich sicher, das alle nur die Geschichte junger Leute aus schwierigen (Trainspotting) oder reichen (Traffic) Verhältnissen beschreiben.
Sara ist psychisch instabil. Der Mann tot, der Sohn aus dem Haus, lebt sie allein in einem Hochhaus und verbringt den Tag damit, fernzusehen. Ein Anruf Ihrer Lieblings-Spielshow (scheinbar die einzige Sendung die im Fernsehen läuft — und zwar rund um die Uhr) mit der Nachricht, sie sei als Kandidatin ausgewählt worden, löst ihre Geschichte aus. Aus bescheidenen Verhältnissen stammend ist ihre einzige angemessene Garderobe der Red Dress, den Sie bei Harrys Graduation getragen hat und der für sie zum Symbol für ihre schönen Erinnerungen wird. Erinnerungen an Ihren Mann, an bessere Zeiten und an den Erfolg ihres Sohnes damals.
Kramfhaft klammert Sie sich daran; als sie merkt das sie nicht mehr in das Kleid passt fängt sie eine fatale Diät aus Pillen mit starken Nebenwirungen an. Fernsehsucht, Schlankheitssucht und die sich entwickelnde Abhängigkeit von den Tabletten schleudert Harrys Mutter in einen Strudel aus Psychosen, Halluzinationen, Schlaflosigkeit und einen Teufelskreis dessen sie nicht mehr Herr wird, den sie nicht einmal wahrnimmt. Hier macht der Film unmißverständlich klar: es kann jeden treffen. Es gibt keine Randgruppen. Die Psyche jedes Menschen ist zerbrechlich, jeder ist empfänglich für irgendeine Sucht, auch wenn es nicht gleich Rauschmittel sein müssen. Das Fernsehen und Schlankheitswahn sind nur 2 weitere Beispiele.
Die moderne Filmtechnik, schnelle Schnitte, extreme Kamerawinkel, Zeitraffer und Clip-artige Sequenzen, wenn Harry und Tyrone Ihre Süchte befriedigen, helfen die Geschichte interessant zu vermitteln. Der Technik gegenüber stehen großartige schauspielerische Leistungen von Jared Leto (Harry), Marlon Wayans (Tyrone) und Jennifer Connelly (Marion), vor allem aber Ellen Burstyn, die die Labilität, Einsamkeit und Verzweiflung von Harrys Mutter Sara sehr authentisch und bewegend darzustellen weiss. Der ganze Film wird von einem sehr gut passenden Soundtrack untermalt, der die Bilder hervorragend unterstützt, anstatt sie nur zu begleiten.
Ich kann diesen Film auf jeden Fall weiterempfehlen, aber wer etwas bahnbrechendes erwartet wird enttäuscht. Der Plot ist vorhersehbar, aber die Umsetzung durch Regisseur Darren Aronofsky und die Schauspieler extrem gut gelungen. So ein Zufall das er nächste Woche im Fernsehen läuft: Samstag 19.06 0:15-2:00, Pro7


11 Kommentare zu 'We got a Winner'
du hast trainspotting nicht gesehen?
Ich möchte noch hinzufügen: Der Film benutzt seine Stilmittel wirklich genial, Farbe und Bildkomposition sind der Hammer. Der neuere “Spun” von Jonas Åkerlund bedient sich erstaunlich ähnlicher Mittel :) …
Mir gefällt Trainspotting allerdings besser, weil der nicht ganz so krass auf emotionalem Flächenbombardement aufbaut.
Aber man kann “Big Lebowsky” beim besten Willen nicht als “Drogenfilm” bezeichnen. Außer vielleicht als Rezeptionsempfehlung.
Na
Ohne Drogen wäre Big Lebowski aber seiner Grundlage entzogen
hallo kultgemeinde,
da ihr anscheinend sehr begabt im coden und fehlerfinden seit,wollte ich mal die bitte äussern,mir bei meinem problem zu helfen.
unter http://www.gedankeninferno.de findet ihr meine website.
unter weblog wird das newsscript includet,was ich mit hilfe eines tutorials geschrieben habe.
bloß ist nun folgendes problem in erscheinung getreten,welches sich dadurch äussert,das die kommentare nicht angezeigt werden.
meine index.php http://nopaste.php-q.net/64419
und meine news.php http://nopaste.php-q.net/64420
habe ich einen fehler im quelltext der news.php gemacht?
würde mich für hilfreiche antworten bedanken.
die effekte sind sehr gut gemacht, besonders der fast forward effekt: klick-rasch-pfffsch-aahhh = high.
interressant fande ich dann zu lesen, das der film pi vom gleichen regisseur stammt der dort ja auch einige dieser effekte nutzt.
das so stark auf gefuehlsebene gearbeitet wird passt gut zu dem film, auch wenn es nicht angenehm ist. der freund von dem ich das .mov habe sagte mir wenn er einmal kinder habe muessen die sich den film angucken, so zusagen als anti-drogen erziehung.
An der Stelle wo du die news.php includest verwendest du eine vollständige url, muss das nicht nur ein lokaler dateiname sein?
Die news.php ist Bullshit:
du hast zweimal den gleichen <form>-tag untereinander
Ich würde auch action=writecomment als hidden-field im formular setzen, nicht als formular-adresse.
Deinen Comment-verarbeitenden Teil untersuch ich erst auf Fehler, wenn die Zeilen in lesbare Form gebracht sind (einrücken).
hab das jetzt anders gelöst,und zwar per iframe und nem javascript was den frame so anpasst,das er die benötigte größe annimmt,um nicht scrollen zu müssen.
Na!
das ist aber sehr unelegant
naja,aber dafür lese ich mir erstmal http://tut.php-q.net durch um das problem dann später wieder in php zu lösen.