Castlevania: Symphony of the Night

Ich bin vielleicht nicht der Typ, der viel über zwischenmenschliche Beziehungen zu erzählen weiss, aber eines der Dinge die ich beobachten, oder am eigenen Leib feststellen konnte ist, dass man jemanden mögen kann, obwohl er Macken hat oder manchmal ein Verhalten an den Tag legt, das schlicht zum Haare-raufen ist. Ich will mich da selbst sicher nicht ausnehmen und wer sich sonst noch angesprochen oder bestätigt fühlt, darf jetzt in sich hineinschmunzeln :)
Ein Spiel zu dem ich eine ähnliche Beziehung pflege, ist Castlevania: Symphony of the Night, das hat mit seinem Erscheinen auf Playstation (1997) und Saturn (1998) für die ganze Serie eine neue Ära eingeleitet hat. Bisher war jedes Castlevania eine sehr schlichte, knüppelharte Umsetzung des ursprünglichen Spielprinzips von 1986 mit nur leichten Abweichungen, wie zum Beispiel der beliebten Peitsche aus Super Castlevania, die nicht nur stumpf geradeaus geschlagen werden konnte, sondern auch -OMG- nach oben, unten, diagonal und sogar gasp im Kreis.
Mit Symphony of the Night wurde alles anders: Während der Arbeiten daran stieß Koji Igarashi zum Entwicklungsteam und begann, Ordnung in die bis dahin chaotische Castlevania-Welt zu bringen. Bisher hatte niemand richtig die Entwicklung der verschiedenen Teile koordiniert, Igarashi versuchte in Symphony of the Night, die ganzen losen Enden wieder zu verknüpfen und, soweit möglich, Struktur in die Timeline von Castlevania zu bringen. Mit Ausnahme der N64-Teile hat Igarashi seitdem die Aufsicht über die Serie, mit der folge dass auch alle nachfolgenden Spiele vor allem Symphony of the Night entlehnt sind.

Was heisst das genau? Nun, in Symphony of the Night wurde die große, überspannende Castlevania Geschichte verdichtet und auf den Punkt gebracht. Die konkrete Handlung des Spiels, die diese große Geschichte aufgreift und weiterführt, wird in Dialogen erzählt. Zum ersten Mal sind wir nicht allein im Schloß, schweigend und einsam auf dem Weg zu Draculas Thronsaal, sondern treffen im Schloss immer wieder auf andere Figuren, vor allem die mysteriöse Maria kreuzt ständig unseren Weg. Das wird dadurch ermöglicht, dass das Spiel zum ersten Mal nicht mehr linear abläuft.
Nach dem Motto “Besser gut geklaut als schlecht selbstgemacht”, hat Igarashi das Spiel mit dem Gameplay von Super Metroid ausgestattet und darüberhinaus noch um simple Rollenspiel-Elemente erweitert. Wir können uns jederzeit frei im Schloß bewegen, wie auf Zebes versperren uns aber hier und da Hindernisse den Weg, die erst überunden werden können, wenn wir uns entsprechende Items erkämpft oder gefunden haben. Die Rollenspielelemente bestehen aus Level-Ups die durch Erfahrungspunkte erreicht werden, welche man -wie sollte es anders sein- durch das Erledigen von Gegnern verdient, sowie Schwerter, Rüstungen, Schilder und Accessoires, die entweder gefunden, von Feinden hinterlassen oder gekauft werden.

Bei diesen massiven Änderungen am Gameplay haben sich dann aber auch leider der ein oder andere Schnitzer ins Spiel geschlichen, die Macken die ich im ersten Absatz angesprochen habe. So haben die Rollenspielelemente vor allem Gimmick-Character und tragen nicht wesentlich zum Spiel bei, vor allem aber ist Symphony of the Night extrem schlecht balanciert. Das Spiel lässt sich ohne größere Probleme unter dem Einfluss nicht unbeträchtlicher Mengen Hash-Brownies durchspielen. In der zweiten Hälfte des Spiels werden die Gegner zwar deutlich stärker, allerdings lässt sich ab diesem Zeitpunkt auch eine Waffe finden, die alles womit man sich bisher durchgeschlagen hat, in den Schatten stellt und Alucard, den Protagonisten, durch sanftes Drücken des Schlag-Buttons in eine wandelnde Rasierklinge verwandelt.
Normalerweise wandern Spiele mit diesen Symptomen bei mir nach dem Abspann mit einem Achselzucken in den Schrank, bei Symphony of the Night juckt es mir aber auch nach zweimaligem Durchspielen jedesmal in den Fingern wenn ich nur daran denke, denn trotz der Mängel macht es einfach unglaublichen Spaß, Draculas Schloß -mal wieder- von seinem Herren zu befreien. Bei meiner letzten Session saß ich buchstäblich solange vor der Playstation, bis diese überhitzte und Texturfehler auftraten. Nach einer kurzen Abkühlung ließen sich aber durch einen kleinen Ventilator weitere Unterbrechungen zum Glück vermeiden.

Abgesehen von den Änderungen im Spieldesign hat die Playstation es Konami ermöglicht, auch die Ästhetik des Spiels enorm zu verfeinern. Bis dahin hatte niemand Sonys Konsole die 2D-Leistungen zugetraut die Symphony of the Night hervorgezaubert hat, die Sprites sind butterweich animiert und liebevoll und detailreich gezeichnet. Die Idee, 1997 noch ein 2D Spiel auf einer Konsole herauszubringen, auf der alle nach 3D schrien war gewagt, ist aber umso besser gelungen. Hier ist 3D nicht Zweck sondern Mittel: Die Fähigkeiten des 3D-Chips setzt das Spiel gekonnt für beeindruckende Effekte im Vorder- und Hintergrund ein, so dass viele Bereiche des Schlosses fast plastische Tiefe erhalten. Wahrscheinlich waren es gerade diese Effekte, die meine alte PS1 ein bißchen aus der Puste brachten, etwas das kein anderes Spiel bisher zuwege brachte.
Genauso flüssig wie die Grafik fühlt sich vor allem aber die Steuerung an: Sie ist nicht nur extrem präzise, Alucards Animationen und ein extrem cooler Ghosting-Effekt verleihen allein dem Durchschreiten eines schlichten Raumes Anmut, der Stylefaktor sprengt die Skala, wenn man dabei im Vorbeigehen Gegner köpft und behende über Hindernisse springt.

Alucard dug himself up from his grave, compelled by wailing guitars, to bury his past
Was mir jedoch am meisten gefallen hat und wirklich die letzten Mängel vergessen macht, ist der unglaubliche Soundtrack von Michiru Yamane: 35 extrem geile Tracks verwandeln das Spiel in eine 2D-Action-Oper. Die Lieder gehören jeweils zu einem speziellen Abschnitt des Schlosses, passen stets perfekt zum Stil der Gegner und Räume die einen gerade umgeben und verleihen dem Spiel durch die gelungene Kombination von klassischen und Metal-Elementen noch zusätzlichen Schub.
Die Serie verdankt Igarashi und Symphony of the Night eine Menge. Leider sind die einzigen 2D-Teile die von dem frischen Wind in Draculas Gemäuer noch etwas mitbekommen haben, die 3 Gameboy Advance Teile Circle of The Moon, Harmony of Dissonance und Aria of Sorrow, sowie das demnächst erscheinende Dawn of Sorrow. Trotzdem: Wer weiss, ob Castlevania ohne Symphony of the Night heute statt der wiederbelebten und gehörig aufpolierten Kult-Serie nicht nur noch eine schöne Erinnerung für nostalgische Hardcore-Zocker wäre?


8 Kommentare zu 'Castlevania: Symphony of the Night'
Mit den alten Castlevania-Spielen bin ich nie klar gekommen, da war mir der Belmont (egal ob’s jetzt Trevor, Richter, Simon oder sonstwer war) immer zu behäbig und zu lahmarschig, aber die Spiele für den GBA, die auf Symphony of the Night basieren, haben echt Spaß gemacht. Doppelsprünge, sich an Wänden abstoßen, so will ich das haben. Generell waren die GBA-Inkarnationen von alten Serien (Megaman Zero, Metroid) ziemlich toll. Das waren so Spiele die mich daran erinnert haben, wie begeistert ich in meiner Kindheit von den Gameboy-Spielen der ersten Generation war. Nicht wegen Nostalgie, sondern einfach wegen richtig guter Spielbarkeit und richtig sexy Gamedesign. Aria of Sorrow ist zum Beispiel richtig schick.
Abgesehen davon: “Das Spiel lässt sich ohne größere Probleme unter dem Einfluss nicht unbeträchtlicher Mengen Hash-Brownies durchspielen.”
Best. Sentence. Ever. Period.
Wir haben’s selbst ausprobiert.
Der Abend war irgendwann nicht mehr feierlich, die Dinger wirken so verdammt spät, aber dafür umso heftiger :)
Meine Güte, was war das damals für ein Spiel. Wenn ich mir heute die Preise ansehe, verfluche ich meinen Cousin, der sein Spiel verkauft hat.
Am allerbesten war, nach dem ich SOTN gespielt hatte, als Psycho Mantis in Metal Gear Solid meine “Gedanken las”, und mir sagte, dass ich wohl gerne Castlevania spiele…
Der Punkt geht dann aber eher an Metal Gear Solid als an SOTN ;-)
Symphony of the Night ist ohne Zweifel für mich das wohl beste 2D Game aller zeiten. Noch nie hat ein 2D Game mich so gefesselt wie dieses. Die Spielbarkeit und das Handling des Hauptakteurs Alucard sind wirklich nahe an der Perfektion, und ja, ich finde auch das die tolle und epische Story sich vor Games wie z.B. Metal Gear Solid sich nicht zu verstecken braucht. Auch wenn diese nicht ganz so wendungsreich und überraschend daher kommt, bietet sie doch in Verknüpfung mit dem Genialen Bombast-Soundtrack, dem superben Leveldesign und den mysteriösen Nebencharakteren einen Cocktail, an dem sich auch heutige Games in ähnlicher Tradition die Zähne ausbeisen. Mir jagt immer wieder ein Schauer über den Rücken, wenn ich mit Alucard (rückwärtsgelesen Dracula ;-) durch das Schloss ziehe und dabei die Kirchenorgel im Hintergrund trällert.
Die einzigen Schwächen meiner Meinung nach sind a) die leider etwas schlechte PAL-Anpassung; zockt man das Game nämlich im japanischen Original, merkt man das es doch etwas flüssiger und schneller läuft und b) die etwas biederen und hässlich gestalteten Menus, die gerade dann ein grossen Kontrast abwerfen wenn man von den Farbenprächtigen In-Game Sprites mal ins Menu wechselt.
Glaubt mir, ich zähle zu der Sorte Gamer, die damals “Contra: The Alien Wars” ohne auch nur einmal draufzugehen am Stück durchgezockt haben und weiss wovon ich rede, gerade wenn es um das Thema 2D Games geht. Ich möchte hier in keiner Weise den angeberischen Grosskotz raushängen lassen, aber bei weit über 400 Videogames in meiner Sammlung hab ich schon das ein oder andere Highlight durchgekaut bis zum “esgehtnichtmehr”. Und auch bei den Games die schon beim einschalten erahnen lassen das es sich um einen Fehlkauf handelt, habe ich komplett durchgezockt. Und “Castlevania- Symphony of the Night” zählt sicher zu den All Time Classics in meiner Sammlung.
Als eine kleine Anleihung an den obrigen Kommentar von Toast, der sich über die heutigen Preise dieses Sammlerstücks aufregt, kann ich ja auch mal meine Geschichte zu “Symphony of the Night” erzählen:
Als das Spiel gegen Ende 1997 in Deutschland erschien, besorgte ich es mir natürlich direkt (bis heute habe ich es insgesamt um die 11mal durchgespielt). Als dann die Playstaton 2 im Handel erschien verkaufte ich meine komplette PSX Game Sammlung inclusive Konsole um mir die PS2 leisten zu können. Als ich vor gut 2 Jahren mal wieder im Internet etwas über das Spiel lass, forschte ich nach und fand heraus, das es zumindest hier in PAl-Gefilden teilweise bei Ebay für 70-90!!!!!!! Euro ersteigert wird. Ich sah somit schon meine Chancen dahinschwinden dieses Game überhaupt nocheinmal in die Finger zu kriegen extrem schwinden, bis mir dann einige Woche danach etwas schier unglaubliches passierte: Als ich mal wieder die bei mir in der Stadt die ansässigen An-und Verkauf Läden nach dem ein oder anderen Videogame abklapperte, fiel mir bei einem ausländischen gebrauchthändler fast die Mimik aus dem Gesicht. In einem Wühltisch für alte PlaystationGames lag “Castlevania-Symphony of the Night” in einem fast einwandfreien zustand (nur die Hülle war etwas zerkratzt, aber egal, wurde ausgetauscht). Bei all der freude stellte ich dann mit noch grösseren Augen fest das das Game sogar 2mal!!!!!!!! darin lag. Ohne mir etwas anmerken zu lassen Schritt ich zur kasse, wobei de nette Verkäufer Hasan (ja, bin dort ein alter Stammkunde) sich schon wunderte das ich 2 gleiche games kaufe. Mit der dümmsten Ausrede die mir auch nur einfallen konnte beendete ich das Gespräch um dann den Preis zu erfahren. Ich habe wirklich mit allem gerechnet aber nicht mit 10!!!!!!!!!!!!!!! Euro für beide Games!!!!!!! Mit dem tollsten Gefühl im Bauch drückte ich die 10 Euro ab und musste mir beim rausgehen mit aller Not das Lachen und grinsen verkneifen….
Und ja, somit besitze ich 2 Exemplare dieses Superben Games, die ich ab heute wie meinen Augapfel bewache und pflege und wehe ihr kommt auch nur auf die idee……Oh Sorry, ich gleite vom thema ab…Also…..ach ich kämpf jetzt nochmal mit den Holy Sunglasses gegen Richter :-)
Ein herzlicher Gruss an alle Gamer und die, die Castlevania auch soviel abgewinnen können wie ich
snakeeater
Ich finde das Spiel einfach geil es ist für mich eines der besten PS1 Games der Welt.Ich kaufte es sogar bei Ebay für 60 Euro.
snakeeater…genial die geschichte…10 EURO.. der absolute wahnsinn…un auch noch in einwandfreiem zustand….!!
da wär ich aber auch sobald ich aus dem laden gekommen wär ersma in die luft gesprungen un hätt nen freudenschrei abgelassen…
castlevania rockt….
aber nur die 2D teile…also die alten…mit dem old school gameplay un dann die ab der SOTN ära…also die gba und nds titel…
Ich hab damals in Japan an die 5000 yen für die Saturn Version hingelegt ~ und noch mal 3000 yen für einen Japanischen Saturn. Habs bis heute nicht bereuht. Auch wenn ich kein Wort in der Cutscene zwischen Alucard und Maria verstehe (und Junge, das Mädl hat mir beim ersten mal wirklich den Hintern versohlt ~ Dracula is nix gegen sie) aber alleine wegen dem Zusatzmodus wo man Maria Steuert ist er das wert.