I’m O.K.

Der ein oder andere wird sich sicher noch an Jack Thompsons Modest Videogame Proposal erinnern:

Osaki Kim is the father of a high school boy beaten to death with a baseball bat by a 14-year-old gamer. The killer obsessively played a violent video game in which one of the favored ways of killing is with a bat. The opening scene, before the interactive game play begins, is the Los Angeles courtroom in which the killer is sentenced “only” to life in prison after the judge and the jury have heard experts explain the connection between the game and the murder. [...]

Obwohl Thompson sein Angebot, 10′000 $$ für wohltätige Zwecke zu spenden, sollte das Spiel je veröffentlicht werden kurz nach Bekanntwerden des Angebots für “Satire” erklären ließ, haben sich eine Menge Indie-Developer nicht davon abhalten lassen, sich doch an seinen Vorgaben zu versuchen. Jüngster und gelungenster Streich ist I’m O.K. von Thompsonsoft. Das Spiel folgt minutiös Thompsons Beschreibungen, begeistert durch gelungenes Artwork und überzeugt mit überraschend solidem Gameplay.

7 Kommentare zu 'I’m O.K.'

Kuhnen

Ich hätte nicht gedacht dass sich jemand getraut hätte diese Thematik auf, wie ich doch finde, diese schöne Art und Weise zu verarbeiten.
Generell stehe ich ja auf diese netten pixligen und schön karikatierten Figuren!
Denkt ihr eigentlich dass der Einfluss von gewalthaltigen Spielen schlecht ist, oder überhaupt einer existiert?

Jan

Keine Gewaltdebatte hier!
Dafür gibt’s die Gamestar.

diki

Es hat nur eine Stunde meines Lebens und den Link zu Thompsonsoft gebraucht, um mich auf den Retrogaming- und Freeware-Trip zurückzuwerfen, den ich vor drei Jahren mühsam abgeschüttelt hatte.

Kuhnen

naja, gamestar niveau habe ich jetzt nicht angepeilt…

diki

Das mit dem Einfluss ist so eine Sache. Ich bin mir ziemlich sicher, dass gewalthaltige Spiele, so wie alle Spiele, einen Einfluss haben respektive ausüben. Ich werde durch die Bilder auf dem Bildschirm beeinflusst, bestimmte Knöpfe auf eine bestimmte Art und Weise zu drücken. Tiefgreifender, worauf Du wahrscheinlich hinauswolltest, hat sicherlich auch die inhaltliche Ebene des Spiels einen Einfluss. Wieviel und was genau in mich einfliesst, ist aber - auch bei sehr bewusster Rezeption des Spiels - schwierig zu beurteilen. Ob der Einfluss “schlecht” ist, erweist sich dann erst an meinen nachfolgenden Handlungen, die wiederrum äussert schwierig eindeutig auf dasjenige zurückzuführen sind, was aus dem Spiel in mich eingeflossen ist. Hinzu kommt, dass mit “schlecht” wahrscheinlich ein moralischer oder ethischer Wert gemeint ist (das unterstelle ich jetzt), womit wir wieder beim Culture Clash wären.

Technik ist amoralisch; was wir damit anstellen und wie wir das finden, ist eine andere Sache.

Jan

Ich bin volljährig und das ganze fuer mich kein Thema mehr.
In 5-10 Jahren wird sich das sowieso erledigt haben

Kuhnen

Das mit der Technik ist interessant.
Hast du mal die Dialektik der Aufklärung gelesen? Adorno und vor allem Marcuse im eindimensionalen Menschen sagen, dass Technik nicht von ihrem Gebrauch gelöst betrachtet werden kann.
So kann man Technik nicht länger mehr als neutral betrachten.
Bei denen geht es darum, dass Technik zum Einen eine große Möglichkeit darstellt den Menschen zu befreien (von harter Arbeit, Elend, usw.) und zum Anderen aber auch das besher größte Potenzial darstellt, den Menschen zu entfremden. Nicht in dem Sinne von Marx, der meinte das der arbeitsteilige Produktionsprozess den Arbeiter den Bezug zur Ware verlieren lassen, sondern dass die Menschen sich nunmehr mit den Produkten identifizieren und sich so einer ‘inneren Dimension’ berauben, die tranzendentes (hier als historische Transzendenz) Denken ermöglichen würde.
Im Zentrum der Kritik (auch als Kritische Theorie bekannt oder Frankfurter Schule) steht, dass erstens Werturteile notwendigerweise in eine wissenschaftliche Theorie einfließen müssen und dass zweitens die Individuen unserer Gesellschaft die Mechanismen, die transzendenstes Denken unterdrücken, selbst produzieren, indem sie sich halt nur noch mit den Waren identifizieren usw. und somit nicht mehr von dem Gegebenen abstrahieren können (in der Wissenschaft z.B. der Behaviourrismus und Operationalisierung). Die Massenmedien kriegen da auch deutlich ihr Fett weg.

Die interdisziplinäre Medienrezeptionsforschung hat übrigens festgestellt, dass die Wirkungen von z.B. Gewaltdartellungen in den Medien keine signifikante Wirkung erzielen.